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16.
APR

Mammutbienen in Ludwigsburg: Klimawandel oder Mutation?

Abgelegt unter Schauen |

Die Neubepflanzung unseres Balkons hat uns einige Besucher beschert, die wir vorher noch nie hatten begrüßen dürfen. Besonders attraktiv fand unser Besuch den neuen Blauregen, der seit einigen Tagen unsere Straße mit seinem Duft versüßt und wahrscheinlich in zwei bis drei Wochen unseren Balkon völlig zugewuchert hat. So wie am Marktplatz in Staufen sieht er noch nicht aus:

Blauregen, wie er leibt und lebt
Dieses Bild basiert auf dem Bild blauregen.jpg aus der freien Enzyklopädie Wikipedia
und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist Joh3-16.

Dafür hat er schon viele schöne Blütentrauben mit zartblauen, betörend, um nicht zu sagen: betäubend duftenden Einzelblüten (Fotos anklicken zum Vergrößern):

Traube des Blauregens (Wisteria, Glyzinie)

Auf diese Schönheit steht auch die Holzbiene, ein wärmeliebendes Insekt, das einem mit seinem flugzeugmäßigen Brummen und den tarantulanischen Dimensionen schon einen ziemlichen Schrecken einjagen kann:

Attacke der harmlosen Holzbiene

Wusstet ihr, dass Bienen fünf Augen haben?

Auf diesem Bild sieht man ihre hummelähnliche Behaarung (die allerdings spärlicher ist als bei einer Hummel, vor allem am Hinterleib) und die drei zusätzlichen Punktaugen zwischen den großen Facettenaugen. Auch hier, wo sie an einer Blüte saugt, sind die Augen gut zu erkennen:

Holzbiene saugt an Wisterienblüte

Die Biene als diebische Elster

Weil der Rüssel der Holzbiene so kurz ist, wie im nächsten Bild zu sehen, behilft sie sich bei großen Blüten mit dem so genannten Nektarraub: Sie beißt die Blüte von der Seite auf, um an den Nektar zu kommen. Dazu kommen ihr die großen Mundwerkzeuge zugute, mit denen sie auch ihre Brutgänge in altes Holz nagt: daher ihr Name.

Rüssel der Holzbiene: gleich beißt sie zu

Die Mundwerkzeuge sind übrigens schon im ersten Bild der Biene gut zu erkennen. Und hier hat sie schon mit dem Nektarraub begonnen:

Holzbiene beim Nektarraub

Seit dieser ersten Begegnung schwirren jeden Tag zwei Holzbienen (eine komplett schwarz, eine mit eher grauem Abdomen) bei uns herum. Sie sind wenig scheu und sehr friedliebend. Selbst als ich ihnen mit dem Makroobjektiv auf den Pelz rückte, haben sie sich nicht beschwert. Ich spiele schon mit dem Gedanken, einen vermodernden Ast aus dem Wald zu holen und ihn schön in der Sonne unter dem Blauregen zu drapieren. Dann gibt es vielleicht bald viele süße kleine Holzbienen!

Klimawandel oder Mutation?

Der Titel des Beitrags ist natürlich eine Provokation – die Holzbiene ist trotz ihrer ungewohnten Größe eine ganz normale Biene. Sie stammt eigentlich aus Südeuropa, breitet sich aber laut Natur-Lexikon seit 2003 auch in Deutschland mehr aus. Ich glaube nicht, dass sie den “normalen” Bienen Konkurrenz macht, da sie einen sehr spezifischen Geschmack hat: Lippenblüter sind ihr Local.

Übrigens: die Eier der solitär lebenden Biene sind 1,7 cm lang. Das schafft sonst kein Insekt!

Kennt ihr die Holzbiene schon? Vielleicht aus dem Urlaub in südeuropäischen Ländern? Oder gar aus Deutschland?

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Kommentare

  1. | 8mt |

    Hi Claudia,
    sehr nett, diese Holzbiene! Ich dachte immer, das sei eine Hummelart. Mit dem schwarzen Körper hast Du Dir natürlich mit eines der anspruchsvollsten Makromotive überhaupt rausgesucht. Kann da selber ein Lied von singen, habe unlängst rund 30 Hummelfotos in die Tonne getreten. Mit normaler Aufnahmetechnik ist nämlich entweder die Biene unterbelichtet oder die Blumen zu hell. Hast Du schon mit Spotmessung experimentiert? Das wird mein nächstes Projekt… :-)

  2. | Claudia |

    Hallo Hartmut, ja, es war nicht einfach, das Prachtstück auf den Sensor zu kriegen. Belichtung war schwierig: Generell sonnig, aber quasi mikroklimatischer Schatten, leichter Wind, Blüten in Bewegung, Biene immer in Bewegung, Flügel folglich in noch mehr Bewegung. Nach etlichen belichtungsmäßig gescheiterten Versuchen hab ich dann doch zum Blitz gegriffen, daher auch die Reflexe. Aber dadurch hatte ich eine bessere Zeichnung auf dem Bienenleib und überhaupt eine scharfe Aufnahme, da alles notwendigerweise aus der Hand passierte. Perfektion habe ich nicht angestrebt (sollte man immer, jaja ;-)), man sollte bloß die Details einigermaßen erkennen können. Zudem hatte ich Spaß am Gruseleffekt der Makroaufnahme :-).

    Mit Spotmessung arbeite ich übrigens fast immer, hab mich so dran gewöhnt. Bei starken Kontrasten funktioniert das allerdings oft nicht gut, dann muss ich mich erinnern, dass die Kamera auch noch andere Belichtungsmodi kennt.

  3. | Peter |

    Schön, dass Du diesen Beitrag geschrieben hast. Ich habe gegoogelt und gegoogelt und nichts gefunden, zu dem großen, solitär lebenden Insekt, was ich im Urlaub (Kroatien) jeden Tag beobachtet habe, bis ich diesen schönen Beitrag hier gefunden habe.

    Ich mag die Tiere auch irgendwie, obwohl ich anfangs etwas beunruhigt war. Aber die Tiere sind ja wirklich friedliebend und fliegen ihre Behausungen trotz ihrer Größe mit viel Geschick an.

    Grüße

  4. | Claudia |

    Ja, in Portugal konnten wir die Holzbienen auch beobachten. Sie liebens halt warm :-). Dort flogen sie einen Bretterzaun ab, immer auf der Suche nach Brutlöchern. Leider war der Bretterzaun dazu nicht so geeignet (zu stabil).

    Unsere Glyzinie hat mittlerweile die Blüten abgeworfen und bekommt jetzt auch keine neuen, weil die Sonne zu hoch steht. Schade, mit dem Blüten verschwanden auch die Holzbienen.

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