Sie interessieren sich für Fotografie und die Kunst des Sehens? Dann sind Sie hier richtig.
Some posts and pages are available in English and German. I'll be glad if you enjoy my pages on photography.

17.
JUL

BarCamp Stuttgart: Anmeldung läuft

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Logo BarCamp Stuttgart

Ziemlich off topic, aber vielleicht doch nicht ganz: Das BarCamp Stuttgart findet am 27./28. September im Literaturhaus Stuttgart statt. Die Anmeldung läuft schon auf vollen Touren, aber es sind noch Plätze frei.

Ich würde mich freuen, einige Fotografie-Blogger zu sehen, damit wir uns mal über ein Bündeln der Kräfte oder gemeinsame Projekte austauschen können – jenseits von Blogparaden, Fotowettbewerben und Umfragen. Wir müssten doch eine Session zusammenkriegen, oder?

Für die Anmeldung müsst ihr euch erst ein Profil bei mixxt anlegen und dann im Netzwerk “Barcamp Stuttgart” anmelden. Dann auf die entsprechende Veranstaltung gehen (Freitag abend: Get-together, Samstag oder Sonntag, oder alle drei) und rechts auf “Ich nehme teil” klicken. Außerdem natürlich Vorschläge für Themen (”dieses Thema interessiert mich”) oder Sessions (”Ich biete folgendes an”) abgeben. Also: ihr schafft das schon :-).

Würd mich über ein paar ähnlich gesinnte Fotografie-Freunde freuen. Wie wärs?

28.
APR

Webinale 07 in Ludwigsburg: schade oder auch nicht

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Oh nein, jetzt findet so ein Bloggertreffen vor meiner Haustür statt, und ich bin nicht da!

dachte ich schon, als ich bei Robert von der Webinale 07 las, und dass sie noch Blogger und Podcaster suchen. Dann: ach so, die suchen eh nur Profis. Für Feld-, Wald- und Freizeitbloggerinnen wie mich haben die nix übrig. Obwohl es doch angeblich “das Web 2.0 Ereignis des Jahres” sein soll.

Doch der Frust währte nur kurz. Robert hat nämlich Recht: es ist in Wahrheit eine Konferenz für Web-Entwickler und Designer.

Gut, bringt mir also eh nix. Aber wann kommt nun das ultimative BarCamp oder die re:publica nach Ludwigsburg oder meinetwegen Stuttgart? Dass unsereins sich mal so richtig unters Volk mischen kann?

16.
FEB

Die Bloggerpersönlichkeit: Voyeur, Autist oder Selbstdarsteller?

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“Und wen interessiert das?” ist die häufigste Frage von Freunden oder Bekannten, wenn ich ihnen von meinem Blog (neuerdings: Blogs) berichte. Wenn ich dann versuche, die Faszination und meinen Antrieb beim Bloggen zu beschreiben, komme ich ins Schwimmen. Ich weiß es selbst nicht so genau, oder besser: Es gibt mehrere Gründe, mal ist der eine wichtiger, mal der andere.

Diese Sinnfrage stellen viele Blogger sich selbst und zum Überfluss noch befreundeten Bloggern. Eine bekannte, formalisierte Form solcher Selbstvergewisserung sind die Stöckchen, die immer wieder geworfen und manchmal sogar zu ganzen Bäumen (Blog-Speak: “Stöckchentracker“) zusammengebastelt werden. Ein Stöckchen ist eine Art Kettenbrief für Blogger, der als Alibi für die unersättliche Neugier gilt, man (Blogschreiber wie -Leser) dem anderen entgegen bringt, der diesen oder jenen supertollen, aufgemotzten, genial geschriebenen oder lustigen Blog aufgebaut hat. Je persönlicher die Details, umso besser, scheint man (mit gewissen Grenzen) zu denken.

Manche machen sich auch in eigenen Beiträgen Gedanken darüber, warum sie online so viele Details von sich Preis geben, warum es sie interessiert, von anderen private Vorlieben und Gewohnheiten zu erfahren …

Ich hab dazu auch so meine Thesen. Sie wechseln je nach Stimmung:

  • Blogger sind Nerds, die nichts anderes machen, als vorm PC/Mac zu hocken, Pizza und Coke in sich reinzuschlingen und nach Nachrichten zu fahnden, die sie auf ihren Blogs recyceln können (Marke “schlecht kaschiertes News-Recycling”, Mehrwert < oder = Null).
  • Blogger sind Schreibende, die mich und die Welt mit ihren rhetorischen Perlen bereichern. Ohne Blogs wäre keiner nichts und jeder alles, äh: ohne Blogs geht es nicht.
  • Blogger sind Voyeure, die ihre Neigung in der Gesellschaft nicht unsanktioniert ausleben können und daher sogenannte “social software”, Web 2.0 und Ähnliches brauchen, um im Privatleben anderer herumschnüffeln zu können (frei nach BKA und Innenministerium, bloß ohne Strafandrohung) und sich selbst zugleich aufs bis aufs Hemd entblößen zu können. Motto: Besser notorisch als gar nicht berühmt.
  • Blogger sind Autisten (echte Autisten bitte nicht beleidigt sein ob dieser Beleidigung!), die dick und hässlich sind, keine Freunde haben und deshalb nach Freundschaften im Netz hungern, Aufmerksamkeit suchen und darum immer gegenseitig in ihren Blogs kommentieren, damit der andere es auch tut. Bevorzugt bloggen sie auf A-Blogger-Blogs, um dadurch mehr Traffic und damit potentielle Freunde auf das eigene Blog zu locken. Sie sind Lock-Blogger, um nicht zu sagen Block-Logger …
  • Blogger sind Technik-Freaks (eng verwandt mit Typ 1, dem Nerd), die alles Neue ausprobieren müssen und deshalb statt HTML, Flash, Java oder Ajax halt Wordpress, Movable Type oder Typo3 ausprobieren. Auf die Inhalte kommts nicht an, nur aufs Basteln.
  • Blogger sind Wortkünstler und Philosophen. Es merkt bloß keiner, dass ihr Geschreibsel Selbstzweck ist.
  • Blogger sind unausgefüllte Teenies, denen das Bloggen der Ersatz fürs Kreischen beim Beatles-Konzert ist. (Mit diesem Vorurteil haben wir wohl aufgeräumt, aber das soll’s ja immer noch geben …)
  • Blogger sind unverbesserliche Internet-Kapitalisten aus der Ära der Dotcom-Blase, die immer noch hoffen, rasch das schnelle Geld machen zu können.
  • Blogger sind ganz normale Fachleute, die ihr Spezial-Wissen geldlich oder unentgeltlich (warum eigentlich hie ein d, aber da ein t?) mit anderen teilen

Sonst noch was? Da ich gerade (nach langer Zeit mal wieder) Scheibenwischer gesehen und dazu Sekt getrunken habe, ist wohl ein wenig rheinischer Frohsinn in den Beitrag eingebrochen … (als Gast meine persönliche Neuentdeckung im Kabarett: Claus von Wagner mit einer überzeugenden Erklärung dafür, warum “die Jugend von heute” sich nicht zu Protesten aufraffen kann).

Trotzdem will ich noch der Pflicht genüge tun und den einen oder anderen zitieren, der sich zu diesem immer gleichen, immer wieder neuen Thema seine Gedanken macht:

  • Schwerin, Schwerin mit “Du bist Blog oder Lob der Leidenschaft
  • einige weitere Kategorien, eher Negativbeispiele, beschreibt Don Alphonoso unter dem Titel “Die 5 beliebten Methoden für Blog-Awareness“. Seine einfache These des wahren Bloggens: “Man schreibt, weil man es braucht und will.” Dem ist nichts hinzuzufügen.
  • Authentizität und Persönlichkeit kann man auch und sogar als wichtige Akquise-Faktoren bezeichnen
  • manch einer entwickelt, ausgehend von der Frage, ob sie zu lebenslänglichem Bloggen verurteilt sind, eine regelrechte Blog-Philosophie

Die Menschen, die mich immer wieder nach dem Sinn der Bloggerei befragen, macht dieser Beitrag bestimmt nicht klüger. Aber mich vielleicht ;-).

Nachtrag (21.2.07): Ach, ich vergaß, es ist ja seit einiger Zeit nicht mehr in, sich Blogger zu nennen oder gar darüber zu schreiben. Aber das ist ja auch nur wieder eine Regel, eine Sprachregel nämlich: man “schreibt ins Internet”. Ehrlich gesagt klingt mir das zu sehr nach “Was bin ich cool und den gewöhnlichen Bloggern überlegen”. Außerdem widerstrebt es meinem Sprachgefühl. Das Internet ist nun mal nichts, wo man reinschreiben kann. Viel zu abstrakt.

Ach, ist mir eigentlich egal. Zu Blog-Ablehnern oder Internet-fernen Menschen sage ich künftig einfach: “ich pflege meine Website” (klingt eher nach Haustier, und damit liege ich auch gar nicht so falsch, oder? Das Blog als Edel-Tamagochi).

1.
FEB

Happy Birthday, Schauplatz!

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Schauplatz lernt laufen

Heute ist es soweit: Der Schauplatz feiert seinen ersten Geburtstag! Zeit für einen kleinen Rückblick, ein Innehalten, einen Ausblick in die Zukunft, und ein Glas Sekt.

1. Phase: Euphorie

Vor genau einem Jahr, am 1. Februar 2006, schrieb ich den ersten Eintrag. Ziemlich unzeremoniös ging es los, die ersten tastenden Schritte, die auch die ersten tastenden Schritte in der neuen Stadt waren, führten ins Kunstmuseum, erschlossen neue Musik und priesen “die Weite der Plätze “. Im ersten Monat schaffte ich immerhin 23 Einträge. Zusätzlich schrieb ich etliche Listen, in denen akribisch vermerkt wurde, was alles “ins Blog soll”. Needless to say, je mehr ich aufschrieb, umso mehr blieb ungeschrieben. Ein Problem, was mich die ganze Zeit begleitet hat und wohl auch unlösbar ist. Die Wochenarbeitszeit wird zwar verlängert, aber niemand kommt auf die Idee, dem Tag entsprechend mehr Stunden zu geben, damit der Anteil der Freizeit mitwachsen kann.

2. Phase: Lethargie

Im März hatte ich denn auch den ersten Durchhänger und schaffte nur sechs Beiträge, eigentlich nur vier, wenn man die privaten abzieht. Ach ja, der Monat war ja geprägt von der Renovierung der neuen Wohnung (Fenster streichen!), Fertigstellen von Aufträgen, Einleben in der norddeutschen Diaspora. Die Beiträge wurden länger, nachdenklicher und anspruchsvoller.

3. Phase: Konsolidie(rung)

In der Folge dümpelte das Blog so dahin, bis ich im Juni neuen Elan spürte. Aber ich war nicht allein: Die ganze Nation spürte neuen Elan, und so fand meine Serie über die “Gefühlte WM” mehr Leser, als ich erwartet hätte. Das waren die schönen Sommertage, an denen ganz Deutschland im Fußballtaumel schwebte und erst mit der Debatte um den neuen oder alten “Patriotismus” wieder Boden unter den Füßen bekam (oder rutschte uns der Boden unter den Füßen weg? ach nein, das kam erst mit der Gesundheitsreform …).

4. Phase: Technophilie

Ende Mai hatte ich übrigens am ersten Stuttgarter Webmontag teilgenommen und darüber einen Fotobericht verfasst. Inzwischen war ich auch beim Stuttgart-Blog als Autorin angemeldet und fühlte mich mehr und mehr vernetzt.

Zunehmend begann ich mich auch mit der Technik auseinanderzusetzen. Ich installierte neue Wordpress-Plugins, die den Schauplatz besucherfreundlicher machen oder mir Arbeit abnehmen sollten. Mit Basteleien kann man zudem wunderbar verdrängen, dass man in Wahrheit zu faul zum Schreiben ist. Das habe ich aber zum Glück rechtzeitig gemerkt.

Seit Juli, als der Schauplatz bei Robert Basics Aktion “Blogs vorstellen” zum Zuge kam, begann ich mich für Statistik zu interessieren. Seitdem läuft der Statcounter, der mir zeigt, dass die Besucherzahlen so zwischen 450 und 550 im Monat herumdümpelten. Seitdem habe ich ein wenig mehr Ehrgeiz entwickelt, im Januar fleißig geschrieben, mit dem Ergebnis, dass die Besucherzahlen im Januar erstmals die 1000er Grenze überschritten haben: yeah!!

Schauplatz-Statistik von Juli bis Januar

5. Phase: Zeitnotstand

Noch mehr als die Zahlen interessieren mich natürlich die Inhalte. Anfangs ging es schlicht darum, das neue Medium zu erkunden, eine eigene Stimme zu finden. Nach dem ersten euphorischen Monat war es das Schwierigste, dabei zu bleiben und immer wieder neue Kraft aufzubringen, sich nach Feierabend noch an den PC zu setzen. Was las ich jüngst irgendwo: “Es gibt hundert Millionen Blogs und zweihundert Millionen Ex-Blogger.” (laut Gartner-Studie; Widerspruch gegen die prognostizierte Blog-Stagnation z.B. von Olaf Nitz.) Schließlich bin ich nicht nur Bloggerin (vulgo neuerdings: ich “schreibe ins Internet”), sondern auch Sängerin, Fotografin, Freunde-Besucherin und Neffen-Herzerin.

Zunehmend machen sich meine beiden Haupt-Hobbys, die Bloggerei und die Fotografie, Konkurrenz. Beide befruchten sich allerdings auch gegenseitig. Endgültig für eins entscheiden will ich mich zur Zeit nicht. Aber die Liebe darf auch nicht zu kurz kommen. (Zum Glück ist mein Liebster genauso internet-verrückt wie ich ;-).)

Ausblick und Danksagung

Sei’s drum, ich finde, der Schauplatz braucht wie heutzutage jede anständige Unternehmung eine Straßenkarte (newspeak: Roadmap), und die sieht ungefähr so aus:

  • allgemeine Verstärkung der Vernetzung, unterfüttert durch persönliche Kontakte
  • englische Kolumne “Schauplatz Weekly” bis Mitte 2007
  • Erneuerung des nicht ganz staubfreien Designs bis Ende 2007
  • 2000 “unique visitors” im Monat zum zweiten Schauplatz-Geburtstag

Nachdem ich mich so weit aus dem Fenster gelehnt habe, muss ich eure Aufmerksamkeit schnell ablenken, indem ich mich bedanke bei allen (absolut wenigen, aber darum umso wertvolleren) Besuchern, Wegbegleitern, aus der Ferne gelegentlich Vorbeischauenden : Danke für eure Treue!

Am schönsten am Bloggen ist für mich nach wie vor das Schreiben selbst. Es ist eine Publikationsform, deren Inhalte ich vollkommen selbst bestimme und die ohne großen finanziellen und technischen Aufwand auskommt. Das Zweitschönste ist die Tatsache, dass man interessante Menschen kennenlernt, die vielleicht aus einer ganz anderen Ecke kommen (geografisch, biografisch usw.), mit denen man aber wichtige Interessen teilt. Solche Kontakte haben sich gerade in den letzten zwei Monaten vermehrt entwickelt.

Also: es bleibt spannend, für mich und hoffentlich auch für euch!

24.
JAN

Web 2.0: Journalismus von unten oder Spielwiese der Konzerne?

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Zum Thema von gestern passt ein Artikel aus der Januar-Ausgabe von Le Monde diplomatique. Eric Klinenberg schreibt unter dem Titel “Der Wolf als Ente” einen etwas widersprüchlichen Essay darüber “was sich an den Falschmeldungen im Internet ablesen lässt.” Wie der Titel kaum vermuten lässt, geht es ihm eher um den ungleich verteilten Zugang zu digitalen Angeboten, was gemeinhin unter dem Begriff “digitale Spaltung” gehandelt wird.

Die digitale Spaltung

Nach seinen Angaben haben 21 Prozent der AmerikanerInnen – die USA sind seine Perspektive – 2005 das Internet überhaupt nicht genutzt. Wohlhabende und gebildete Schichten verfügten weit häufiger über einen Internet-Anschluss als ärmere (oder Menschen weißer und asiatischer Herkunft häufiger als Menschen farbiger oder lateinamerikanischer Herkunft). Die Nichtverfügbarkeit eines Anschluss, so der Autor, bedeute eine klare Benachteiligung in vielen Situationen: Beim Hurrikan “Katrina” habe es z.B. im Internet weitaus mehr und vor allem realistischere Informationen und Augenzeugenberichte gegeben, als in den etablierten Medien (hier vor allem das Fernsehen). Das Leben der Schwarzen in New Orleans kam ebenso wenig vor wie die Stadt außerhalb des Zentrums.

Hier sprang nola.com in die Bresche, die Onlineausgabe der lokalen Tageszeitung The Times Picayune. Hier konnten Besitzer eines Internetzugangs wirklich authentische Nachrichten von Angehörigen finden oder später Katastrophenhilfe beantragen, was per Telefon offenbar nicht möglich war. Ein Internetzugang bedeutet in diesem Fall die Chance zur Teilnahme am politischen und gesellschaftlichen Leben und muss laut Klinenberg als “unverzichtbare öffentliche Versorgungsleistung” gelten, so wie Wasser, Gas oder Strom.

Nachrichten im Netz: Agenturmeldungen und News-Recycling

Der Autor preist in vielen Einzelbeispielen das Internet als Gegengewicht zu den etablierten Medien, während er zugleich vor der Machtausweitung der etablierten Konzerne in eben diesem Netz warnt. Die Internetausgaben großer Tageszeitungen oder Zeitschriften gelten als glaubwürdiger und werden weitaus häufiger gelesen als die Seiten ausgesprochener Internet-Firmen (wie Google, AOL, Yahoo usw.). Letztere hätten kaum eigene Inhalte aufzuweisen, sondern würden nur Agenturmeldungen wiederkäuen, die ja auch der Zeitung und den Fernsehberichten zugrunde liegen. Hier fehlen aber, sowohl bei den Internet-Content-Anbietern wie auch häufig schon bei den “alten Medien” in ihren Internet-Ausgaben, Redakteure, die Agenturmeldungen durch eigene Recherchen ergänzen und verifizieren. Der Internet-Nutzer konsumiert also schlechtere Nachrichten aus denselben Quellen wie früher, nur anders aufbereitet und zusammengestellt. Zweitklassiges Material und “die Wiederverwertung von Berichten aus den Morgenzeitungen” dominiere.

Langweilige Lokalzeitung oder Blog aus dem Kiez?

Erfundene Nachrichten (ein Beispiel ist die Saga von der gefährlichen Chemikalie DHMO) verbreiten sich im Internet natürlich besonders schnell, machen die Nutzer misstrauisch und treiben sie erst recht auf die Websites der großen Medienproduzenten. Diese investieren jedoch immer weniger in Lokalberichterstattung und Nachrichten aus erster Hand. Das können Internet-Portale und Websites verschiedener “Kieze” besser, sie bieten Kontakt- und Informationsmöglichkeiten, die in keiner Lokalzeitung zu finden sind (Beispiel: die Gotham Gazette) in New York. Genau hier sind aber benachteiligte Bevölkerungsgruppen wieder ausgeschlossen.

Wieder geht es um die zerstörte Illusion, dass sich die im “realen Leben” kränkelnde Demokratie und Chancengleichheit im “virtuellen Leben” kurieren lasse. Doch natürlich setzen sich reale politische Entwicklungen im Internet fort oder spiegeln sich dort.

Web 2.0: Es menschelt gewaltig

Was das alles mit Web 2.0 zu tun hat? In der ganzen Diskussion fehlt mir der Faktor Mensch. Er ist es, der das Web 2.0 ausmacht. Warum treibe ich mich in Blogs herum und weniger auf Internetseiten etablierter Medien? In Blogs und Foren begegne ich Menschen, die ihre Meinung äußern, auf den Seiten etablierter Anbieter auch, doch hier sind diese Meinungen häufig als objektive Wahrheit getarnt und darum nicht weniger tendenziös. Ein Blogger zeigt mir sein “Gesicht” (vielleicht verfälscht, aber zumindest individuell), ein auf Unabhängigkeit bedachter, professioneller Journalist hält sich da eher zurück.

Und das Problem: Die etablierten Zeitungen meinen, ihre finanziellen Probleme durch Entlassungen von Redakteuren lösen zu können. Die Kommentar- und Feuilletonseiten schrumpfen und werden mit recycelten Agenturmeldungen notdürftig aufgefüllt, auf Papier wie in der digitalen Version. Im “Web 2.0″ aber finde ich Menschen, die mit Begeisterung für andere, ihre Besucher, Leser und Mitblogger, Nachrichten aufbereiten, ihr Expertenwissen teilen, die manchmal Schrott liefern, häufig aber wertvollen “Content” (das nächste Unwort des Jahres?), und all das serviert mit Hingabe und großer Hilfsbereitschaft. Wie schon gestern gesagt: Die 5 Prozent Nicht-Schrott reißen es heraus.

Wa-rum in die Ferne schwei-fen, lebt der Nach-bar doch so na-ha?

Das Web 3.0 wird wahrscheinlich gar nicht vor lauter toller Ajax-Tools strotzen, sondern etwas ganz Einfaches bieten: Nachbarschafts-Online-Kommunikation. Wie ich ja seit dem letzten Stuttgarter Webmontag weiß, bringt persönliche Bekanntschaft mit den Nutzern dem Betreiber einer Seite (Blog, Community) die besten Nutzerzahlen. Und warum fahre ich wohl ab und zu mit der Gemeinde der Liebhaber von Olympus-Digitalkameras des E-Systems in Deutschland herum? Weil das Fotografieren mehr Spaß macht, als darüber im Internet zu schreiben, und weil das Schreiben übers Fotografieren mehr Spaß macht, wenn ich meine Adressaten kenne. So einfach ist das.

Vielleicht bringt es das Web 2.0, 3.0 und beyond sogar einmal fertig, dass wir unsere Nachbarn wieder persönlich kennenlernen. Auf dem Umweg übers Internet.