Sie interessieren sich für Fotografie und die Kunst des Sehens? Dann sind Sie hier richtig.
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14.
FEB

Hände hoch! Auf dem Pragfriedhof

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[german]Der Pragfriedhof in Stuttgart Nord ist überraschend geometrisch angelegt. Gefasst auf ein parkähnliches Juwel wie den Highgate Cemetery in London oder ein Grabmal-Labyrinth auf dem Hügel wie die Nekropolis in Glasgow, war ich von der Ordnungswut auf dem Pragfriedhof zunächst etwas ernüchtert. Aber ich war ja auf der Suche nach Händen für Martins Fotowettbewerb. Und die fand ich bald. Die nüchterne Geometrie des Friedhofs tat nämlich dem Pathos seiner Grabmalsfiguren keinen Abbruch. Sie zeigten mir bereitwillig ihre Hände:

Hände I

Hände II
Dies war mein glückloses Wettbewerbsfoto (zweites von oben)

Hände III

Hände IV
Vielleicht hätte ich lieber dieses letzte Foto einreichen sollen.
Es strahlt so eine zeitlose Ruhe aus. Oder was meint ihr?

Friedhofsfotografie ist ja überhaupt sehr beliebt, sowohl bei Fotografen als auch beim “Konsumenten” der Fotos. Wer kennt nicht den Klassiker, “Und alle Lust will Ewigkeit” von Isolde Ohlbaum?

Wer kennt weitere schöne Friedhöfe in Deutschland? Melaten in Köln scheint sich zu lohnen, wie man z.B. an Frank Krumbachs Fotos von dort ablesen kann. Außerdem natürlich der Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg, laut Wikipedia der größte Parkfriedhof und der zweitgrößte Friedhof – auf der Welt.

Die Teilnahme an Martins Wettbewerb hat sich also auch ohne Gewinn gelohnt. Hab endlich den Pragfriedhof besucht und dann noch ein paar weitere noch-zu-besuchende-Locations auf meiner persönlichen Liste.

[/german]
[english]The Prag Cemetery (Pragfriedhof) in North Stuttgart shows a surprisingly geometric layout. Hoping to find some kind of a parklike jewel like the Highgate Cemetery in North London or a tombstone labyrinth on a hill like the Glasgow Necropolis, I was a bit taken aback at first in the face of such order overdone. But then, I was looking for hands to photograph for Martin Gommel’s photo contest. And hands I found. The prosaic geometry of this cemetery did not, indeed, act against the pathos of its tombstone figures:

Hände I

Hände II
This was my luckless competition photo (above)

Hände III

Hände IV
Perhaps I should have submitted this last photograph. It seems to radiate such timeless peace. What do you think?

Photographing cemeteries is very popular, anyway, and most people also like looking at the results. Is there anyone who does not know the classic, Isolde Ohlbaum’s “Und alle Lust will Ewigkeit” (quoting Nietzsche and Ohlbaum’s most popular cemetery book)?

What other beautiful cemeteries are there in Germany, or in the rest of the world, for that matter? Cologne with Melaten comes to mind, as is evident from Frank Krumbach’s photography. Another one, of course, is Ohlsdorf Cemetery on the outskirts of Hamburg. Wikipedia calls it the greatest park cemetery and the second greatest cemetery of the world. Wow. Unfortunately I haven’t been there yet.

Taking part in Martin’s contest has already paid off, even without having won: I’ve seen Pragfriedhof, and I’ve added more photo-locations-to-be-visited on my personal list. [/english]

2.
JUL

Irrfelsen Stuttgart: Phantasie und schöne Prinzen

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“Die Erinnerung ist auf der Reise wie ein schöner Prinz”: eines der Stücke des Stadtprojekts “Irrfelsen Stuttgart” zum Thema Architektur und Alltag, das vom 16. bis 23. Juni im Rahmen der “Ulysses-Reihe” am Staatstheater Stuttgart stattfand.

Führung durch die Erinnerung

Wir sammeln uns vor dem Schauspielhaus und folgen der freundlichen Dame mit dem Schild, das im Frühlingsgrün des Irrfelsen-Projekts gehalten ist.

Vom Theater aus geht es durch den Tunnel, an der Staatsgalerie vorbei in das alte Gebäude, wo es sich keiner der rund zwanzig angemeldeten Zuschauer nehmen lässt, die vier Treppen bis zum obersten Stockwerk hochzulaufen.

Privilegierter Blick auf die Stadt

Oben werden wir mit frühlingsgrünen Fliesdecken, Sonnenbrillen und Kopfhörern versorgt und verteilen uns auf zwei Stuhlreihen auf dem Balkon, dessen Existenz wir bis jetzt noch nicht bemerkt hatten. Was für eine Aussicht – und was kommt jetzt?

Stuttgart, von oben gesehen und gehört

Es wird still. Der Blick schweift über die Stadt: Das also ist Stuttgart von oben, die Sonne wirft uns ihre letzten Strahlen geradewegs ins Gesicht, unter dunklen Regenwolken hervor, die uns nicht mehr bedrohen. Und selbst wenn: An jeder Stuhllehne hängt ein frühlingsgrünes Schirmchen.

Eine Stadt aus Klang, von oben gesehen und gehört

Ein Gespräch hebt an, still, intim, ganz für uns, nur für uns gesprochen: “Es ist so still.” – “Ja.” – “Wann geht es denn los?” – “Hm. Ich höre nichts. Hören Sie etwas?” – “Nein. … Warten Sie! Ganz leise, da ist doch etwas. Hören Sie es?” – “Ja. Ja! Es muss ein Hubschrauber sein, er kommt näher … da ist er, da oben rechts!” (Ein Hubschrauber knattert über uns hinweg, alle Köpfe drehen sich nach rechts: Die Illusion ist perfekt. Kein Hubschrauber zu sehen …)

Die Stimmen sprechen weiter, es wird keinen Augenblick langweilig, unsere Blicke werden gelenkt zu einem Gebäude hinter der Staatsgalerie (”Sehen Sie die Oberkante des hellen Gebäudes? Folgen Sie ihr mit dem Blick nach links, eine Handbreit darüber sehen Sie ein mehrgeschossiges Bürohaus, suchen Sie das Fenster in der ersten Reihe, drittes von links. Sehen Sie es?”). Fast meinen wir an diesem Fenster eine Bewegung wahrzunehmen. Ein Geograph spricht über seine Arbeit, erzählt von seiner Ankunft in der Stadt, wie seine Mutter zu ihm sagte Anfang der fünfziger Jahre: “Du bist doch Schwabe. Geh zum Bürgermeister, Junge, er soll dich um dich kümmern. Er wird dir eine Zukunft geben.” Die Mutter behielt Recht.

Menschen aus Stuttgart, die wir (nicht) kennen

Durchbrochen von Musik, von Zitaten, Motiven, Ideen verschiedener Autoren, hören wir noch mehr Geschichten aus dieser Stadt, die Stuttgart ist und in deren Fenstern sich das Abendlicht gleißend spiegelt.

Stuttgarter Grün, Stuttgarter Fenster

In einem anderen Haus, hinter einem anderen Fenster erzählt eine junge Frau, tastend, wie sie die Geräusche unten auf der Straße, vor dem Hochhaus, in dem sie wohnt, durch das Fenster belauscht, sie interpretiert. Die Blinde weiß genau, wann der Radfahrer wie jeden Morgen bremst, bevor er um die Ecke fährt, kennt die Menschen, die ihre Hunde ausführen …

Hörspiel mit visuellem Genuss

Wir kriechen in diese Menschen hinein, ihre Stimmen kriechen in unser Ohr, wir möchten immer mehr wissen, möchten träumen von Stuttgart und seinen Menschen, möchten, dass es niemals endet. Die hervorragenden Tonaufnahmen, die sehr guten, angenehmen Stimmen, die Dramaturgie, all das spielt zusammen und schafft eine perfekte Illusion für dieses urbane Panorama. Vergangenes und Gegenwärtiges, Inszeniertes und Zufälliges verschwimmen. Nach einer halben Stunde stehen wir auf und steigen benommen und ein wenig wehmütig die vielen Treppen wieder hinunter.

aus den Abendklängen hinunter in die Wirklichkeit

Dass wir auf dem Rückweg auf den Stufen vor dem Opernhaus einer jungen Frau im Saloondress mit einer Pistole in der Hand begegnen, wundert uns schon nicht mehr. In ihrer Foto-Shooting-Pause lächelt sie uns zu.

Wahn oder Wirklichkeit? Weiter gehts hinunter in die Probebühne des Schauspielhauses, zur zweiten Station, in den “Bauch der Illusionsmaschinerie”, wie es im Programm heißt. In einem Bühnenbild aus einem Zelt, einer Kassette mit Naturgeräuschen, einem Teich, einem Regenspender und einer Nebelmaschine entspinnt sich ein Dialog, eine Meditation zwischen den ewigen Nomaden aus der Stadt.

In der Blackbox: Wasser, Nebel, Träume

Wir haben diesen Teil nicht wirklich verstanden. Das intensive Spiel der beiden Schauspieler (sehr gut: Bernhard Conrad, sehr sehr gut: Katharina Zoffmann) hielt uns aber die ganze Zeit über bei der Stange, um nicht zu sagen: bei der Philosophie. Wir fühlten uns beschenkt in diesem kleinen Publikumspreis, von diesem klug-verträumten, sinnlichen, das Denken erweiternden Stück. Die guten Texte, die unkonventionellen Mittel, das Zusammenspiel zwischen Schau-spiel, Hör-Stück, Theater und Improvisation war … überzeugend.

Vielversprechendes Autorenduo

Die Autoren Bernhardt Herbordt und Melanie Mohren, Jahrgang 1978 und 1979, haben ihr Handwerk in Gießen gelernt und bereits mehrere gemeinsame, interdisziplinäre Raum- und Audio-Installationen, Hörspiel- und Bühnenarbeiten vorgelegt. Sie wurden mit dem NRW-Hörspielpreis ausgezeichnet und waren mehrfach Stipendiaten der NRW-Hörspielförderung. 2008/2009 sind Herbordt/Mohren Stipendiaten der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart. Wir sollten sie im Auge behalten.

Zelt, Nebel und ein Prinz auf Reisen

Bernhard Conrad und Katharina Zoffmann: überzeugend

29.
APR

Internationales Trickfilmfestival in Stuttgart: Tricks for Freaks

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Im Stuttgart-Blog ist seit gestern ein kleiner Überblick von mir über den “Internationalen Wettbewerb 2″ des 14. Internationalen Trickfilm-Festivals zu lesen. Da einiges aus dem Festival auch im Ludwigsburger Caligari zu sehen ist, hatte ich es zum Glück nicht weit.

Mal schauen, wo ich noch hingehen werde. Die Atmosphäre auf dem Schlossplatz (abends Konzert, danach Freiluftkino) könnte ja ganz nett sein.

Auf jeden Fall scheint sich die Animations-Prominenz in Stuttgart die Klinke in die Hand zu nehmen. Immer wieder erstaunlich, welche Kreativität dieses Häuflein Mensch, der Mensch an und für sich, in sich birgt.

28.
APR

Webinale 07 in Ludwigsburg: schade oder auch nicht

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Oh nein, jetzt findet so ein Bloggertreffen vor meiner Haustür statt, und ich bin nicht da!

dachte ich schon, als ich bei Robert von der Webinale 07 las, und dass sie noch Blogger und Podcaster suchen. Dann: ach so, die suchen eh nur Profis. Für Feld-, Wald- und Freizeitbloggerinnen wie mich haben die nix übrig. Obwohl es doch angeblich “das Web 2.0 Ereignis des Jahres” sein soll.

Doch der Frust währte nur kurz. Robert hat nämlich Recht: es ist in Wahrheit eine Konferenz für Web-Entwickler und Designer.

Gut, bringt mir also eh nix. Aber wann kommt nun das ultimative BarCamp oder die re:publica nach Ludwigsburg oder meinetwegen Stuttgart? Dass unsereins sich mal so richtig unters Volk mischen kann?

21.
MRZ

Magnolienblüte in der Wilhelma

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##NOLIGHTBOX##
Jetzt wo es wieder so richtig schön kalt geworden ist, kann ich selbst kaum glauben, was ich am vergangenen Freitag im Maurischen Garten der Wilhelma fotografiert habe: Magnolien in allen Stadien der Blüte, vom völlig ummantelten pelzigen Knospenwurm über den gerade aufbrechenden Blütenmantel bis hin zur voll entfalteten Blüte – und all das oft auch noch im gleichen Baum. Selbst Bäume sah ich, bei denen jede einzelne Blüte voll entfaltet zu sein schien. Und das Mitte März:

Aufbrechende MagnolienknospeMagnolia x loebneri Kache

Die Geburt der Blüte aus dem Geist des Frühlings …

Aufgeblüht im EibenschattenZarter Stempel ...

Blütenträume in Weiß …

Üppige BlüteBlüte und Knospen ...

… in der Masse oder einzeln …

Blütenexplosion IIBlütenexplosion I

… und dann die Blütenexplosion vor dunkler Eibe!

Blütenexplosion VBlütenexplosion IV

In London scheint die Blüte durch den Wintereinbruch schon ein wenig gelitten zu haben. Wer sonst noch über Magnolien berichtet, kann man gut über Technorati verfolgen: So ließe sich doch mit ein wenig Arbeit vielleicht eine interaktive Karte des Magnolienblütenbeginns zeichnen ;-).

Keine Ahnung, warum uns diese Bäume so faszinieren. Oder doch: Diese sinnliche Üppigkeit kennen wir ja sonst in Mitteleuropa kaum, diese satte, fette Angeberei mit den zartesten Farben, den vielfältigsten Formen und dem puren Exotismus.

Schön wäre es vielleicht auch, die zarten Dinger mit einer dünnen Schneedecke darauf abzulichten. Aber dazu ist zumindest hier bei uns der Schnee noch nicht dick genug gekommen.