Sie interessieren sich für Fotografie und die Kunst des Sehens? Dann sind Sie hier richtig.
Some posts and pages are available in English and German. I'll be glad if you enjoy my pages on photography.

17.
JUL

BarCamp Stuttgart: Anmeldung läuft

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Logo BarCamp Stuttgart

Ziemlich off topic, aber vielleicht doch nicht ganz: Das BarCamp Stuttgart findet am 27./28. September im Literaturhaus Stuttgart statt. Die Anmeldung läuft schon auf vollen Touren, aber es sind noch Plätze frei.

Ich würde mich freuen, einige Fotografie-Blogger zu sehen, damit wir uns mal über ein Bündeln der Kräfte oder gemeinsame Projekte austauschen können – jenseits von Blogparaden, Fotowettbewerben und Umfragen. Wir müssten doch eine Session zusammenkriegen, oder?

Für die Anmeldung müsst ihr euch erst ein Profil bei mixxt anlegen und dann im Netzwerk “Barcamp Stuttgart” anmelden. Dann auf die entsprechende Veranstaltung gehen (Freitag abend: Get-together, Samstag oder Sonntag, oder alle drei) und rechts auf “Ich nehme teil” klicken. Außerdem natürlich Vorschläge für Themen (”dieses Thema interessiert mich”) oder Sessions (”Ich biete folgendes an”) abgeben. Also: ihr schafft das schon :-).

Würd mich über ein paar ähnlich gesinnte Fotografie-Freunde freuen. Wie wärs?

21.
JUN

[german]Glasmusik[/german][english]Glass music[/english]

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[german]Gestern in der Stuttgarter Innenstadt:


Glass music I Glass music II

[/german]
[english]Yesterday in the city of Stuttgart:

Glass music I Glass music II


[/english]

25.
MAI

[german]Ausstellungstipp: Cartier-Bressons Paris-Fotos in Fellbach[/german][english]Photography Exhibition: Cartier-Bresson Looks at Paris[/english]

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[german]Im Fellbacher Rathaus wird am kommenden Donnerstag um 19.00 Uhr die Ausstellung “Henri Cartier-Bresson: Fotografien à propos de Paris” eröffnet. HCB wäre am 22. August 100 Jahre alt geworden. In der Ausstellung werden rund 80 Fotografien des Street-Spezialisten aus Paris gezeigt. Daneben ist auch der Dokumentarfilm „Henri Cartier-Bresson: Biographie eines Blicks“ von Heinz Bütler zu sehen.

Weitere Informationen zu Vernissage, Ausstellung und begleitenden Veranstaltungen bietet die Ausstellungs-Webseite.

[/german]

[english]The exhibition “Henri Cartier-Bresson: Fotografien à propos de Paris” opens next Thursday at 7 p.m. in the Fellbach City Hall. HCB would have been 100 years old on August 22, 2008. The exhibition shows around 80 photographs Cartier-Bresson took in Paris. The documentary „Henri Cartier-Bresson: Biographie eines Blicks“ by Heinz Bütler will also be shown.

For more information on vernissage, exhibition and side-events, see exhibition website.[/english]

5.
MAI

[german]Zeichen der Erinnerung[/german][english]Signs of Remembrance[/english]

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[german]Es gibt sie wirklich in Stuttgart: eine Gedenkstätte für die rund 2000 zwischen 1941 und 1945 aus Stuttgart und Württemberg deportierten Juden. Wann wurde zum ersten Mal danach gefragt? 2004. Wann wurde die Gedenkstätte eröffnet: 2006.

Anlässlich einer Fototour um die Wagenhallen am Stuttgarter Nordbahnhof habe ich diesen denkwürdigen Ort entdeckt.

Gedenkstätte: Informationstafeln und Orginal-Prellböcke
Original-Prellböcke, dahinter Informationstafeln

Gedenkstätte: Besucherin betrachtet Namensmauer
Eine Besucherin betrachtet die Namen der Deportierten an der Mauer.
Sie spiegelt sich in der Informationstafel mit den Namen der Deportierten

Gedenkstätte: Namen der Deportierten und Ermordeten
Die Namen der Deportierten.
Im Spiegelbild: einer der Original-Prellböcke

Was mich am meisten bewegt hat? Die langen Reihen mit gleichen Nachnamen. Dass ganze Familien vernichtet wurden, ist ja lange bekannt. Sieht man aber konkrete Namen vor sich, wirkt der Wahnsinn besonders bedrückend.

Mehr Informationen über diesen versteckten Ort der späten Erinnerung geben die Wikipedia sowie die Internetseite der Gedenkstätte.[/german]
[english]It really exists: a memorial for those 2000 jews from Wurttemberg and Stuttgart who, between 1941 and 1945, were deported from the railway station Stuttgart North to several concentration camps (Riga, Auschwitz, Theresienstadt). When did someone first think to ask after them? In 2004. When was the memorial opened: 2006.

On a photo walk around the Stuttgart ‘Wagenhallen’, I recently discovered this hidden, quiet, memorable place.

Gedenkstätte: Informationstafeln und Orginal-Prellböcke
The original train buffers, with showcases behind

Gedenkstätte: Besucherin betrachtet Namensmauer
Visitor looking at the names of the deportees.
She is refleted in the showcase showing the names of those who were murdered.

Gedenkstätte: Namen der Deportierten und Ermordeten
The names of the deported.
The showcase reflects one of the original buffers.

What moved me most were the long rows of people with identical surnames. Everyone knows that whole families were wiped out. If you see the names of real people in front of you, though, the insanity of those murders becomes particularly depressing.

You will find more information about this place of late remembrance and more photographs of its layout in the Wikipedia and on the homepage of the memorial.

[/english]

22.
FEB

Schubladendenken – Beschränkung oder Freiheit in der Fotografie?

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Gerade im Deutschlandfunk gehört: Das Berliner Museum für Naturkunde besitzt 30 Millionen Sammlungsstücke. 30 Millionen! Aber es wird ja nicht nur gesammelt, sondern das Gesammelte wird geordnet, kategorisiert, klassifiziert, in Schubladen gepackt, einer Taxonomie unterworfen.

Woher kommt der Drang, die Dinge in Schubladen zu packen, zu ordnen, zu benennen, Kategorien zu bilden und nach welchen Regeln bilden wir sie? Psychologin Claudia Friedrich von der Universität Hamburg:

“Die Kognitionswissenschaft hat sich irgendwie nicht auf eine Regel festlegen können, wie wir jetzt Gegebenheiten in der realen Welt denn wirklich in solche Kategorien umsetzen, wir wissen nur, wir tun es. Und wir tun es sehr schnell, und solche Kategorien bestimmen unsere Wahrnehmung und unser Denken und unser Gedächtnis, also sozusagen alles, was uns so kognitiv ausmacht und wahrscheinlich deshalb, damit wir diese Welt vorhersagen können, und das war mal evolutionär von großem Vorteil.”

Und weiter:

Schlechtes von Gutem trennen, brauchbare von unbrauchbarer Nahrung unterscheiden, Gefährliches und Ungefährliches durchschauen - Kategorien im Gehirn bilden zu können, um zu überleben ist das eine. Die Anwendung dieser Fähigkeit beim Menschen aber geht weiter:

“Es bestimmt natürlich unsere Kulturpraxis, weil wir mit diesem Apparat unsere Kultur bilden, weil wir mit diesen kognitiven Apparaten alle zusammen wirken und das wahrscheinlich eine der Eigenschaften ist, die wir mitbringen in diese kulturelle Welt: Kategorien zu bilden.”

Schubladendenken oder lebensrettende Ordnung der Welt?

Dass uns das Schubladendenken hilft, unsere Welt zu verstehen, dass wir die Welt kategorisieren, um nicht von der schieren, unüberschaubaren Masse der Dinge erschlagen zu werden, ist ein Gemeinplatz. Die Heckenbraunelle teilt die Insekten in essbare und nahrhafte einerseits und in ungenießbare oder nährwertarme andererseits ein, eine Fähigkeit, die sie zum Überleben braucht. Der Mensch teilt seine Mitmenschen in sympathische und unsympathische ein, sucht Erstere und meidet Letztere. Er ordnet seine Bücher im Regal alphabetisch nach Autor oder systematisch nach Fachgebiet, sortiert “Vorgänge” in Hängemappen und Dateien in Ordner ein, um nicht den Überblick zu verlieren.

Kategorisierung in der Fotografie

Und die Fotografin: Von kameratechnischen oder objektivkundlichen Kategorien einmal abgesehen, auch die wenig hilfreichen Bindestrich-Fotografien (Makro-, Landschafts-, Porträt-, Sach-, Sport- …) einmal beseite gelassen, ist auch das Sehen vieler Fotografen von Kategorien bestimmt. Die Könige der Kategorisierer sind wohl Bernd und Hilla Becher (mehr Infos zu dem Fotografenpaar hier): Ihre fotografischen Typologien – europäische und nordamerikanische Hochöfen, Kalköfen, Fördertürme, Gasbehälter, Wassertürme oder Kohlebunker – sind legendär. Ich zitiere aus der Beschreibung einer Ausstellung in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen 2004:

Als “Typologie” bezeichnet das Künstlerpaar solche Werke, in denen Fotografien gleichen Formats zu Blöcken von 9, 12, wie hier 15 oder auch 16 Einzelbildern zusammengefasst sind. Die Objekte werden nach funktionalen, regionalen, strukturellen, historischen und ästhetischen Gesichtspunkten geordnet und zu strengen Tableaus komponiert. Der innere Zusammenhalt solcher Bildfolgen, vor allem aber die Vergleichbarkeit und Lesbarkeit der Objekte wird dabei garantiert durch die Schwarzweißfotografie, ein immer gleich bleibendes Aufnahmeverfahren, und durch die Konzentration auf wenige Konstruktionstypen.

Auch wem eine derartige Akribie fremd ist, der wird sich wiederfinden in dem Drang zur Kategorisierung. Unsere Internet-Galerie sortieren wir in Landschafts-, Porträt- und Reisefotografie, unsere Fotos in Alben oder digitale Ordner …

Ohne Beschränkung, Thema, Projekt … geht nix

Und wenn wir fotografieren gehen, ohne konkretes Ziel? Auf dem Kunstfotografie-Markt kann man heutzutage kaum noch etwas werden ohne ein “Thema”, ein “Projekt”, man beschränkt sich auf eine Kategorie, eine “Schublade”, wenn ihr so wollt, man fotografiert Serien oder eben Typologien – nur den obersten zehn, zwanzig oder hundert Fotografen wird es gelingen, mit 5, 20 oder 45 bezugslos durcheinandergewürfelten Arbeiten eine Ausstellung zu bestreiten. Auch die meisten Fotowettbewerbe setzen ein Thema.

Ausstellung zum Architekturfotografiepreis: Beschränkung als Fokussierung

Gestern gab es in der VHS Stuttgart die Vernissage der Ausstellung zum Europäischen Architekturfotografie-Preis 2007 (mehr Fotos bei architekturbild e.V.). Thema war: “Lieblingsplätze”. Schon die Preisbezeichnung stellt eine Einschränkung der Motivwahl dar (es geht um Architekturfotografie), eine weitere ist das Thema. Die extrem unterschiedlichen Interpretationen der Begriffe “Architektur” und “Lieblingsplatz” im Wettbewerb machen deutlich, dass eine Kategorie, die immer eine Sache eingrenzt und anderes ausgrenzt, offenbar immense kreative Energien freisetzt. Eine Beschränkung ist in diesem Fall, und in vielen anderen Fällen, kein Nachteil, sondern ein Vorteil: Beschränkung bedeutet Fokussierung.

Und: Die Teilnehmer des Wettbewerbs legten sich weitere Beschränkungen auf: Mit Architektur soll es zu tun haben, Lieblingsplätze sollen es sein? Gut, ich fotografiere nur eine einzige Kategorie von Lieblingsplätzen: Knastzellen, Ferienhäuser, Dauercamper bei Nacht … Das Ergebnis ist eine unglaubliche Vielfalt an Sichtweisen, Sehweisen, Fokussierungen.

Beschränkung als Mittel der fotografischen Weiterbildung

Weitere Beschränkungen lassen sich denken und werden immer wieder empfohlen, um uns fotografisch voranzubringen:

  • Beschränkung auf die manuellen Einstellungen an der Kamera
  • Beschränkung auf ein einziges Objektiv
  • Beschränkung auf eine einzige Festbrennweite
  • Beschränkung auf einen Ort, eine Tageszeit …

Wie steht ihr zur Kategorisierung in der Fotografie? Wenn ihr fotografieren geht, passiert es euch, dass ihr z.B. die Schönheit und Eleganz von Straßenpollern entdeckt und in der fremden Stadt plötzlich nur noch Straßenpoller “seht”, am Ende mit einer Typologie von Straßenpollern nach Hause kommt? Nichts anderes mehr fotografiert, euch plötzlich auf ein Thema, eine “Kategorie” beschränkt?

Mir ist sowas mal mit stinknormalen Leitungen, Telefonanschlüssen außen an Häusern etc. passiert. Etwa so:

eines von vielen Leitungsfotos, keine Typologie
(Mehr davon gibts hier)

Aber eine Typologie ist es nicht geworden. Dafür fehlt mir einfach die pedantische Ader. Dafür hat es mich gelehrt, dass weniger Breite mehr Tiefe bedeutet. Es war eine aufregende Entdeckungsreise. Und bis heute bin ich nicht dahintergekommen, woher genau denn jetzt meine Faszination für diese banalen Objekte rührt.

Ist das dem Menschen offenbar angeborene Denken in Kategorien eine Quelle der Kunst? Ist Sortieren, Kategorisieren, Ordnen der Welt eine Vorausssetzung für Kreativität? Banale Fragen vielleicht, doch sie treiben mich um.

Wie stehts bei euch? Empfindet ihr eine Beschränkung auf einem Gebiet als Chance zur Freiheit und Kreativität auf einem anderen? Welche Beschränkungen erlegt ihr euch beim Fotografieren freiwillig auf? Aus welchen Gründen?