Sie interessieren sich für Fotografie und die Kunst des Sehens? Dann sind Sie hier richtig.
Some posts and pages are available in English and German. I'll be glad if you enjoy my pages on photography.

19.
JUN

[german]Summertime: Vorstudien zum Thema[/german][english]Summertime: Preliminary Studies[/english]

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[german]Ich komme aus einer landwirtschaftlich geprägten Gegend. Im Dorf gab es zwei Bauern mit großen Höfen. Bei meinem Großonkel im Stall durfte ich auf den Kühen reiten und mit den Katzenkindern spielen. Um das Dorf herum gab es Felder mit Weizen und Gerste, Roggen und Zuckerrüben, Wiesen für Grünfutter. An den Feldwegen wuchsen Apfelbäume, die im Herbst und Winter ihre krummen Äste dekorativ in den Himmel streckten.

Der Sommer war geprägt von den verschiedensten Grüntönen: jede Feldfrucht ein eigenes Grün, jedes Grün setzte sich wiederum aus verschiedenen Grüntönen zusammen. Nichts schöner als die Gerste, die sich als weicher Teppich über das Feld legte.

In diesen Tagen ist es wieder soweit: das Getreide gedeiht und zeigt sich von seiner schönsten Seite:

Gerstenfeld in der Abendsonne Gerstenfeld vor Mais Roggenfeld im Gegenlicht Felder mit Weg

Roggenähren Roggenstengel Grille auf Maisblatt Gerste vor untergehender Sonne

[/german]
[english]I’m from an area in the north of Germany which is characterized by agriculture. In our village, there were two farmers with large farms. In the cow barn on my great-uncle’s farm, I was allowed to ride the cows and play with the kittens. Around the village, there were fields with wheat and barley, rhy and sugar beets as well as meadows for forage. Along the dirt tracks, there were apple trees which in autumn and winter stretched their twisted branches decorately towards the sky.

The summer was full off the different tones of green: every crop its own green, every green made up of various different green tones. Nothing more beautiful than the barley covering the field with its soft green down.

These days remind me of my childhood: the crops grow and show all their beauty.

Gerstenfeld in der Abendsonne Gerstenfeld vor Mais Roggenfeld im Gegenlicht Felder mit Weg

Roggenähren Roggenstengel Grille auf Maisblatt Gerste vor untergehender Sonne

[/english]

3.
NOV

Jahreszeiten

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Am schönsten sind die Jahreszeiten, wenn sie gerade anfangen:

  • der erste warme Tag nach einem langen Winter, wo die Luft anders riecht, die Sonne plötzlich wärmt, die Vögel sich gegenseitig zu überbieten versuchen …
  • der erste heiße Tag, an dem die Füße sich der lästigen Schuhe entledigen, die Kleidung minimalistisch wird und kalte Getränke attraktiv werden …
  • der erste Herbstgeruch, Altweibersommer, schräges Licht, mild-schmeichelnde Luft und eine Würze, ah … melancholisch beklagt man: “Jedes Jahr geht es schneller, verdammt!” und freut sich zugleich auf lange Abende und Zeit für die Fotoalben. Hypnotisiert starrt man jeden Tag aufs Neue die Bäume am Wegrand an, ob sich ihr Laub schon verfärbt, und diskutiert mit Kollegen über die chemischen Prozesse, die zu der Verfärbung führen …

Ihr merkt schon, der Herbst braucht den meisten Platz in dieser Aufzählung. Warum nur ;-)? Erfreulich sind die Übergänge zwischen den Extremen, Herbst und Frühling, auch für die Fotografin: schräges Licht, Seitenlicht, Streiflicht und warme Farben sind auch noch Mittags zu haben, wenn man sich endlich aus den Federn gepellt hat am Wochenende, im Gegensatz zum Sommer, wo das Licht tagsüber langweilig und flau ist, oder zum Winter, wo man sich zu jeder Tageszeit die Finger abfriert …

Allein, je kühler es wird, umso mehr Kleidung muss man auf und um sich und mit sich herumtragen, ein Gewicht, das sich durchaus zur Fotoausrüstung addiert. Praktisch ist allerdings, dass man endlich mal wieder ein Objektiv schnell in die Jackentasche stecken kann, was mit Hemdchen und Shorts nicht so gut geht im Sommer.

Herbst heißt auch: riesige Schwärme von Staren, die sich über den Platanen auf der Stuttgarter Königstraße sammeln, mit ohrenbetäubendem Lärm sich niederlassen und wieder auffliegen, die Passanten mit offenem Mund nach oben starren lassen und sie mit akrobatischem Formationsflug vor stahlblauem Himmel erfreuen. (Eine skurrile Anekdote zu selbstmörderischen Stuttgarter Staren findet sich hier.)

Herbst heißt auch: Kürbissuppe aus dem roten oder grünen Hokkaido, heiße Schokolade nach kalten Spaziergängen, modernde Äpfel in feuchten Wiesen, Pilze unter braunem Laub, Nebel in Niederungen.

Und um die Romantik auf die Spitze zu treiben, ende ich mit ein paar wehmütigen Worten des zeitweiligen Stuttgarters Nikolaus Lenau:

Herbst

Rings ein Verstummen, ein Entfärben:
Wie sanft den Wald die Lüfte streicheln,
Sein welkes Laub ihm abzuschmeicheln;
Ich liebe dieses milde Sterben.

Von hinnen geht die stille Reise,
Die Zeit der Liebe ist verklungen,
Die Vögel haben ausgesungen,
Und dürre Blätter sinken leise.

Die Vögel zogen nach dem Süden,
Aus dem Verfall des Laubes tauchen
Die Nester, die nicht Schutz mehr brauchen,
Die Blätter fallen stets, die müden.

In dieses Waldes leisem Rauschen
Ist mir als hör’ ich Kunde wehen,
daß alles Sterben und Vergehen
Nur heimlich still vergnügtes Tauschen.

13.
SEP

Techno-Gewichte und Mond-Espresso

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Wieder mal gekiesert, nach zwei Monaten Faulheit. Die Gewichte vom letzten Mal, Mitte Juli, sind plötzlich so schwer, hab ich mich etwa bei meiner Liste verschrieben? Merkwürdig. Mit etwas Abstand finde ich diese technophile spartanische Gewichtheberei ebenfalls merkwürdig, aber da meine alten Knochen, respektive Muskeln, dringend der Stärkung bedürfen, unterwerfe ich mich dem Ritual. Drohende Knie-OP, Bandscheibenvorfall oder Herzinfarkt ade!

Kieser pro und contra

Am wohltuendsten dabei finde ich, dass die in herkömmlichen Fitness-Studios übliche Dauerbeschallung wegfällt. Das ist nur dann von Nachteil, wenn Stöhn-Männer da sind, was zum Glück selten vorkommt. Stöhn-Männer legen grundsätzlich doppelt so schwere Gewichte auf wie auf ihrer Liste stehen, schwitzen ihr Placebo-Handtuch durch und unterhalten die Mitkieseraner an den Nachbargeräten mit rhythmischem und geradezu unästhetischem Stöhnen. Meistens handelt es sich um kleine, drahtige Marathontypen.
Im allgemeinen aber ist Frau Anti-Astral in trauter Gesellschaft mit durchschnittlichen Menschen wie du und ich und wird nicht von der sonst üblichen Fleischbeschau und Muckiprotz-Atmosphäre belästigt.

Espresso-Bar mit Stil

Nach dem Training zur Ludwigsburger Neu-Entdeckung: Die Lavazza Caffé Espresso Bar in der ehemaligen Hofapotheke am Holzmarkt (gleicher Stall offenbar: die Stuttgart-Variante). Letztens schon mit J. draußen gesessen nach der Stromberg-Wanderung, heute musste ich mangels freier Tische leider ins Innere, wo mich zwar ein gepflegtes Interieur erwartete (Kaffee-Sahnefarben, Sechziger-Schick und Altapotheken-Seriosität in innniger Verquickung), aber auch äußerst unbequeme Stühle – rückenfeindliche Halbschalen der Extraklasse. Nach einigen vergeblichen Anläufen und am Ende des Käsetellers konnte ich den Rest meines durchaus guten chilenischen Cabernets dann doch draußen austrinken. Dort ließ es sich, allein mit Wein, Moleskine und Schreibfeder, ganz sehr gut aushalten. Und dann die Krönung von Lavazza: der Espresso con Panna. Die Macht.

Dann auf dem Rad nach Hause, und oben der Mond wie ein halber Amerikaner unterm Spätsommerhimmel.

4.
FEB

Die Weite der Plätze

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Einer der schönsten Plätze in Stuttgart ist nicht nur, wie ein Kollege letztens meinte, der “Wellnessbereich” unserer Firma, sondern für mich der Schloßplatz in Stuttgart, an Sommerabenden: plätschernde Brunnen, große Rasenflächen, gediegene Gebäude ringsum und Freiheit für den schweifenden Blick.