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3.
JUL

WM VI: Patriotismus-Debatte geht weiter, Bahncard auch :-)

Abgelegt unter Lauschen, Schauen, Worte des Tages | Trackback

Die WM ist jetzt definitiv nicht mehr “nur” gefühlt, sondern real über uns hereingebrochen, daher die Änderung im Titel. Weiteres heute aus Zeitgründen im Telegrammstil:

  • Deutschland ist im Halbfinale, juhu! Morgen gibts den Klassiker, leider u.U. ohne Frings, der doch am Freitag so schön gespielt hat. Das Spiel am Freitag war so aufregend, dass ich mich trotz am selben Abend noch bevorstehender Chorprobe heiser geschrieen habe. Das Konzert am Samstag habe ich dann trotz einer weiteren langen Probe vorher noch einigermaßen gut überstanden. Es war sogar sehr schön!
  • Das Erreichen des Halbfinales hatte natürlich auch eine andere positive Auswirkung: Ich kann jetzt bis Ende Oktober mit meiner 19-Euro-25-%-Weltmeister-Bahncard fahren! Anscheinend war diese spezielle Bahncard anfangs nicht so begehrt, weil niemand der deutschen Elf so viel zutraute, wie sie schon erreicht hat. Jetzt wollen sie alle haben, denn es landen immer wieder Google-Anfragen auf meinen Seiten. Also, Leute: Man kann sie nicht mehr kaufen, aber es gibt auch noch andere Bahn-Angebote zur WM, zum Beispiel “Surf & Rail WM Spezial“, ab 59 € hin und zurück in die WM-Städte, aber nur noch bis 11. Juli. Und die normale Bahncard 25 ist ja auch nicht so teuer: 52,50 €. Man spart damit im Normalfall 25 %, in vielen Spezialfällen aber deutlich mehr. (Nein, ich arbeite nicht bei der Bahn.)
  • Indessen geht die Patriotismus-Debatte, teils auch Nationalismus-Debatte genannt, unvermindert weiter. Die Angst vor der Niederlage im Viertelfinale hatte teilweise sogar zu einer Art präniederlagerischen Depression geführt (siehe Telepolis-Artikel “Feiern bis zur Depression” vom 24.6. und “Die neuen deutschen Tugenden” vom 28.6. (hier besonders die letzten Absätze). Was ich nicht gar nicht mitbekommen hatte, war die drohende Aufwärmung der Debatte um das blöde Wort, das mit “Leit” anfängt und mit “Kultur” aufhört. Charlotte Knobloch, die neue Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, warnte davor am 30.6. in der Netzeitung.
  • Lustig ist, dass die Ultrarechte von dem neuen Nationalstolz verwirrt ist und nicht so recht weiß, ob sie mitmachen oder protestieren soll, wie die taz unter dem Titel “Patrioten verwirren Rechte” am 29.6. berichtete (Artikel leider nur über kostenpflichtigen Archivzugang erhältlich). Ich bin gespannt, wie sich die Diskussion entwickelt.

Also dann, auf zur Halbfinals-Vorbereitung ;-)!

22.
JUN

Gefühlte WM IV: viel diskutiertes Fahnenschwenken

Abgelegt unter Schmökern, Worte des Tages | Trackback

Nachdem ich die Stimmung um mich herum immer noch als positiv wahrnehme, fühle ich mich immer mehr in meinen Überlegungen bestätigt. Endlich feiern ohne Reue, so scheinen mir die Fahnen schwenkenden Menschen zu sagen, endlich keine Meldungen über erhöhte Gesundheitskosten oder höhere Steuern, endlich mal Schluss mit den Meldungen über weniger Geld für die einen und Steuererleichterungen für die anderen … schlicht: endlich Grund für gute Laune! Damit tun sich die Deutschen ja offenbar schwer.

Warum gute Laune haben, wenn nicht wegen der WM?

Man könnte sich natürlich auch andere Gründe für gute Laune vorstellen. Indem man etwas tut gegen die beklagte Misere im Land, hätte man gute Laune, weil man sieht: wir tun was, und es geht vorwärts, weil wir viele sind und nicht mehr ignoriert werden können. Doch das ist wohl zu viel verlangt. Geht es bei der WM und der Jubelei einfach um Konsum? Diese WM ist doch hervorragend konsumierbar. Die meisten haben eh keine Karten bekommen (das wäre eher teurer Konsum) und können nun umsonst über die Großleinwände die Spiele sehen und dabei ganz ungewohnte Gemeinschaftsgefühle spüren. Leichte Kost ohne Anstrengung.

Wenn ich schon von unbekannten kleinen Mädchen nach meiner Meinung zu Deutschland befragt werde, muss ich mir endlich auch eine Meinung zulegen. Ich sehe das alles relativ entspannt und habe den Eindruck, die meisten, sogar die WM-Hasser, sehen es ebenfalls relativ entspannt. Es gibt aber Ausnahmen, die bedenkenswert sind. Wie zum Beispiel die Zeitschrift Telepolis, die fast täglich Artikel zu diesem Thema veröffentlicht, jüngst wieder einen besonders eindringlichen, diesmal von Jens Thomas unter dem Titel “Multikultureller Doppelpass auf der Fanmeile“. Weiterlesen …