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3.
JAN

Klangpark revisited

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Mit freundlicher Erlaubnis des von mir schon erwähnten Musikredakteurs Georg Waßmuth trage ich noch die von ihm erstellte Collage zum Klangturm auf dem Killesberg bei. (Die Installation “Klangturm” war zum World New Music Festival im Klangpark auf dem Stuttgarter Killesberg zu sehen und hören.) Hier könnt ihr die Collage mit der Musik des Künstlers Andres Bosshard anhören:

Klangturm-Collage

Und hier nochmal der Link zu meinem Bericht über den Klangpark mit Fotos. Dazu noch eine Ergänzung: Der Höhenpark wurde, wie vielleicht nicht jeder weiß, 1937–1939 von dem Potsdamer Gartengestalter Hermann Mattern und dem Architekten Gerhard Graubner für die Reichsgartenschau angelegt. Ursprünglich war hier auch ein Zoo geplant. Der Killesberg-Turm hätte eigentlich schon zur Internationalen Gartenbau-Ausstellung (IGA) 1993 fertig sein sollen, wurde jedoch aus finanziellen Gründen erst 2001 eröffnet. Architekt war Professor Jörg Schlaich.

18.
DEZ

Alte und neue Bekannte: vom Hörensagen

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Die Welt (des Internet) ist klein, und endlich trägt meine Bloggerei einmal richtig angenehme Früchte. Glenn Gould, Georg Waßmuth und ich treffen uns in den Weiten des Cyberspace und im Netz aus Musik, Radio und Literatur.

Doch von Anfang an: Im Sommer berichtete ich an dieser Stelle vom Klangpark auf dem Killesberg und illustrierte meinen Bericht mit ein paar Fotos, die ich dokumentierenderweise gemacht hatte. Gestern nun schrieb mich der Musikjournalist Georg Waßmuth an, der eine O-Ton-Collage des Klangparks mit einem meiner Bilder illustrieren wollte, wogegen ich natürlich nichts hatte. Auf seiner Seite kann man sich die hörenswerte Collage zu Gehör führen.

Ich entdeckte dann auch, was er sonst noch so macht: viel Interessantes, und eines, was mich als alten Glenn-Gould-Fan besonders interessierte: ein Feature über Thomas Bernhard und Glenn Gould. Unter dem Titel “Man ist ja die Ursache allen Übels selbst – Der österreichische Schriftsteller Thomas Bernhard und der kanadische Pianist Glenn Gould. Zwei Lebensentwürfe in Extremen” hat er für den SWR ein hervorragendes Hörstück inszeniert, man möchte fast sagen: komponiert. Soeben habe ich es mir in voller Länge angehört.

Erster Eindruck: Hervorragende Sprecher, besonders Achim Höppner als Ich-Erzähler von Bernhards “Der Untergeher” beeindruckt. Einfache, aber äußerst wirkungsvolle Idee, Glenn Gould, den Fan nächtlicher Ferngespräche, als Telefonstimme auftreten zu lassen. Das Feature verbindet Zitate Goulds mit solchen aus dem Untergeher und aus Interviews mit Thomas Bernhard aus den 1980er Jahren. Ich muss allerdings sagen, dass ich die Interview-Zitate Bernhards vielleicht etwas zusammengestrichen hätte, sind sie doch teils von bedauernswerter Banalität, wie etwa dieses:

Ich habe eine völlig normale Einstellung zum Leben, wie alle anderen normalen Menschen auch wahrscheinlich, ne? Sie ist nicht nur negativ, aber sie ist eben auch nicht nur positiv, ne? Denn man begegnet ja ununterbrochen allem. Das macht ja das Leben aus. Nur negativ das gibt es ja gar nicht - das ist ja Blödsinn. Aber es gibt sicher Leute, die wollen das halt so sehen.

A-ha. Ähem. Na und? Es bewahrheitet sich mal wieder, dass manchmal die Literatur mehr sagt als ihr Autor. Glenn Gould dagegen könnte ich stundenlang zuhören … Aber ich bin natürlich parteiisch. Und mir fiel wieder einmal auf, was für ein ausgemachter Romantiker der gute Gould, der erklärte Anti-Romantiker, in Wirklichkeit war. Wenn er Richard Strauss spielt, zum Beispiel, und wenn er (in diesem Feature nicht zu hören) Orlando Gibbons oder William Byrd spielt … kein Vergleich mit seinen Mozart- oder Beethoven-Interpretationen.

Gould war ja auch selbst Radio-Künstler, das Medium hat ihn sehr interessiert, und er hat einige interessante Features produziert, zum Beispiel über Leopold Stokowski oder Pablo Casals (Hörproben bei Amazon.com, wo man auch Goulds Original-Stimme mal hören kann).

Zwei Schlüsse ziehe ich aus diesem anregenden Kontakt mit einem Seelenverwandten:

  1. bringt die Bloggerei doch manchmal etwas, neben Befriedigung am eigenen Geschreibsel (Egopflege also) vor allem solche Kontakte, und
  2. sollte ich doch mal die Gould-Biographie lesen, die Kevin Bazzana mir seinerzeit zuschickte, nachdem wir die deutsche Ausgabe seiner musikwissenschaftlichen Studie über Gould (wie oben verlinkt) mit vereinten Kräften auf den Weg gebracht hatten. Bazzanas Gould-Biographie ist ja nun auch ebenfalls auf Deutsch erschienen, und vielleicht ärgert sich Bärenreiter ja schon, dass sie damals nicht zugegriffen haben (dann hätte ich sie wohl übersetzt, seufz …).

Also: weiter bloggen, Gould hören, Waßmuth und Bazzana lesen!

23.
JUL

Neue, alte und erneuerte Seiten rund ums Hören

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Das Thema “Hören” in allen möglichen Ausprägungen ist das Thema einiger Seiten, die ich heute kurz vorstellen möchte:

  • Jürgen Gisselbrecht ist der Betreiber des Portals Hoerspiel.com, das seit 1997 besteht und einen großen Fundus an Informationen über das Hörspiel zusammengetragen hat. Seit Anfang Juli hat das Portal ein neues Gewand, das dem Besucher mehr fürs Auge bietet und mehr Möglichkeiten, sich zu beteiligen, die schon immer rege genutzt wurden: Ein Forum, einen Flohmarkt, eine komfortable Hör-Bar mit Up- und Downloadmöglichkeiten und einen noch jungen Blog. Ja, ich kenne den Betreiber dieser Seiten persönlich, und natürlich ist das auch ein bisschen Eigenwerbung, denn ich habe auf dem Hörblog gerade einen Beitrag übers Hören veröffentlicht. ;-) Die Hoerspiel.com ist aber nicht einfach irgendeine Seite, sondern ein lange bekanntes, anerkanntes und fachlich fundiertes Portal zum Thema Hörspiel, was gerade in Zeiten, in denen kaum noch jemand den Unterschied zwischen Hörbuch und Hörspiel zu kennen scheint, umso notwendiger ist. Die Hoerspiel.com lädt so richtig zum Herumstöbern ein, und man erfährt vieles über Geschichte, verschiedene Genres und Technik des Hörspiels, inklusive Interviews mit Autoren und Regisseuren.
  • Max Nyffeler ist der Beckmesser, ein Portal für neue Musik und Musikkritik. Dort habe ich im Zuge der Recherchen zu meinem erwähnten Beitrag einen Text gefunden, der in eine etwas andere Richtung zielt und schon 2002 geschrieben wurde: “Neue Wege des Hörens: Gedankengänge zwischen Konzertsaal und Klangkunst”.
  • Zahlreiche fachlich fundierte Beiträge auf akademischem Niveau bietet Frank Schätzlein auf seinem Portal zu Akustischen Medien. Er verfügt außerdem über eine umfangreiche Liste von Links, Bibliographien und Mailinglisten zum Thema.
  • Die “Initiative (Stiftung) Hören” gründet sich auf eine Idee von Prof. Karl Karst (WDR/Schule des Hörens) von 2001. Entstanden ist ein Dachverband verschiedenster Vereinigungen, die mit dem Thema Hören zu tun haben, mit politischer Unterstützung durch die Bundesregierung. Er verfolgt das Ziel, die Bevölkerung gegenüber allen Facetten des Themas Hören zu sensibilieren. Auf der Website sind zum Beispiel Informationen über gemeinsame Projekte (etwa der “Deutsche Klangkunstpreis 2006″), Spiele für Kinder oder interessante Hör-Beiträge als pdf oder als Audiodatei abzurufen. Man könnte hier noch einiges für die Nutzerfreundlichkeit tun, zum Beispiel bei Ausschreibungen die Bewerbungsfrist gleich im Einleitungstext mit anzugeben, damit man nicht erst zig pdf-Dateien öffnen muss, um dann zu erfahren, dass die Frist schon im März abgelaufen ist. Oder die Bewerbungsunterlagen nach Fristablauf aus dem Netz nehmen. Bedauerlich auch, dass die Rundfunkseite auf den WDR beschränkt ist …
  • Dann gibt es noch das Soundmuseum, wunderbar, was man mit Metager doch so alles findet: ein Projekt des Klangkünstlers Stefan Zintel aus Wuppertal. Laut Selbstaussage versteht sich sein Klangmuseum als “multimediale Enzyklopädie von Klang, Klangkunst und Musik. 168 Stunden in der Woche ist das Museum geöffnet! Das System unterstützt die Erfassung, Verwaltung, Recherche und Präsentation (Audiowiedergabe) von Digitalisierten Material. Der Name Soundmuseum soll keine Verengung des Blickes auf Akustik und Technik im musealen Kontext beinhalten, sondern ganz im Gegenteil wichtige Künstlerische Exponate, sowie vergängliche klangliche Gegebenheiten aus allen Ländern ausstellen.” Ob das jetzt ein Projekt mit Werken nur von ihm und nahestehenden Kollegen ist, wird mir nicht deutlich. Es gibt eine Login-Seite – aber für wen?
  • Zum guten Schluss noch ein tolles Fundstück: Kultura extra, das Online-Magazin zu Kunst, Musik, Literatur, Theater, Celluloid, Compuart … In den einzelnen Rubriken sind, etwas lesefeindlich, einfach monatsweise geordnet alle Rezensionen untereinander gelistet, aber die Texte haben Hand und Fuß. Die Darstellung des Veranstaltungskalenders funktioniert leider im Firefox nicht richtig (sieht zumindest blöd aus …). Aber die Existenz dieses Portals, das gar nicht so klein ist, war bis jetzt völlig an mir vorbeigegangen. Da gibt es einiges aufzuarbeiten. Nicht speziell übers Hören natürlich, aber auch.

Und hier mache ich Schluss, denn irgendwann muss auch der hörende Mensch, hier in schreibender Funktion tätig, ins Bett und seinen Ohren, die das Summen des PC-Lüfters ja doch hören, eine Pause gönnen.

21.
JUL

Neue Klänge auf dem Killesberg

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Am vergangenen Montag wurde im Rahmen des World New Music Festivals der Klangpark eröffnet. Da ich den Killesberg als Neu-Stuttgarterin noch nie gesehen hatte und mich für alles Akustische interessiere, musste ich da natürlich dabei sein. Vorab das Fazit: Der Besuch lohnt!

Im Park sind zehn Stationen mit Open-Air-Klanginstallationen aufgebaut, eine davon allerdings schon am Theaterhaus; das Schild hatte ich leider übersehen. Es bietet sich also an, von dieser Seite aus den Park zu betreten. Ich begann also mit der zweiten Station: der “Bodenhülsenorgel” von Erwin Stache (Bilder zum Vergrößern bitte anklicken):

Soundpark: Bodenhülsenorgel Soundpark: Bodenhülsenorgel (Detail)

Diese einfachen Klanghülsen bringen tatsächlich orgelähnliche Klänge hervor. Ich blieb eine ganze Weile zwischen ihnen stehen und versenkte mich ins Hören, aber auch der Anblick war durchaus ästhetisch. Mich faszinierte die Umsetzung einer durchaus nicht mechanisch klingenden Musik mit einem so “einfachen” Instrument. Weiterlesen …

3.
JUL

WM VI: Patriotismus-Debatte geht weiter, Bahncard auch :-)

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Die WM ist jetzt definitiv nicht mehr “nur” gefühlt, sondern real über uns hereingebrochen, daher die Änderung im Titel. Weiteres heute aus Zeitgründen im Telegrammstil:

  • Deutschland ist im Halbfinale, juhu! Morgen gibts den Klassiker, leider u.U. ohne Frings, der doch am Freitag so schön gespielt hat. Das Spiel am Freitag war so aufregend, dass ich mich trotz am selben Abend noch bevorstehender Chorprobe heiser geschrieen habe. Das Konzert am Samstag habe ich dann trotz einer weiteren langen Probe vorher noch einigermaßen gut überstanden. Es war sogar sehr schön!
  • Das Erreichen des Halbfinales hatte natürlich auch eine andere positive Auswirkung: Ich kann jetzt bis Ende Oktober mit meiner 19-Euro-25-%-Weltmeister-Bahncard fahren! Anscheinend war diese spezielle Bahncard anfangs nicht so begehrt, weil niemand der deutschen Elf so viel zutraute, wie sie schon erreicht hat. Jetzt wollen sie alle haben, denn es landen immer wieder Google-Anfragen auf meinen Seiten. Also, Leute: Man kann sie nicht mehr kaufen, aber es gibt auch noch andere Bahn-Angebote zur WM, zum Beispiel “Surf & Rail WM Spezial“, ab 59 € hin und zurück in die WM-Städte, aber nur noch bis 11. Juli. Und die normale Bahncard 25 ist ja auch nicht so teuer: 52,50 €. Man spart damit im Normalfall 25 %, in vielen Spezialfällen aber deutlich mehr. (Nein, ich arbeite nicht bei der Bahn.)
  • Indessen geht die Patriotismus-Debatte, teils auch Nationalismus-Debatte genannt, unvermindert weiter. Die Angst vor der Niederlage im Viertelfinale hatte teilweise sogar zu einer Art präniederlagerischen Depression geführt (siehe Telepolis-Artikel “Feiern bis zur Depression” vom 24.6. und “Die neuen deutschen Tugenden” vom 28.6. (hier besonders die letzten Absätze). Was ich nicht gar nicht mitbekommen hatte, war die drohende Aufwärmung der Debatte um das blöde Wort, das mit “Leit” anfängt und mit “Kultur” aufhört. Charlotte Knobloch, die neue Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, warnte davor am 30.6. in der Netzeitung.
  • Lustig ist, dass die Ultrarechte von dem neuen Nationalstolz verwirrt ist und nicht so recht weiß, ob sie mitmachen oder protestieren soll, wie die taz unter dem Titel “Patrioten verwirren Rechte” am 29.6. berichtete (Artikel leider nur über kostenpflichtigen Archivzugang erhältlich). Ich bin gespannt, wie sich die Diskussion entwickelt.

Also dann, auf zur Halbfinals-Vorbereitung ;-)!