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23.
APR
So wirbt die taz im Jahr 2007
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Noch vor zehn Jahren wäre niemand auf die Idee gekommen, die taz könne mit einem solchen Foto um neue LeserInnen werben:

Ist das der heutige Leser der taz? Ist es eine Provokation? Wird die taz heute von Managern gelesen, oder ist es das, was die taz gerne hätte, und darum die Kampagne?
Es ist uns durchaus schon aufgefallen, dass die taz-Artikel braver, konservativer, weniger kritisch sind als vor zehn Jahren. Aber dass es nur noch um wahren Luxus und Freiräume für Anzug tragende Kaffeehausbesucher gehen soll, will mir nicht in den Kopf.
Was meint ihr? Lest ihr überhaupt noch, oder überhaupt, die taz? Hat sie mehr zu bieten als originelle Überschriften und wenige Seiten für viel Geld? (Was das Preis-Leistungs-Verhältnis angeht, ist die taz vielleicht tatsächlich “wahrer Luxus” …) Gibt es gar Alternativen links von der heutigen taz?
13.
FEB
Zeitschriften-Mauerbluemchen 1: Chrismon
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In den Zeiten von Internet, Web 2.0 und so weiter vergisst mancher leicht, dass Lesen auf Papier, ganz ohne Strom, viel gemütlicher und beruhigender ist als das doch immer irgendwie flüchtige Scannen von Seiten im Internet. Ich drucke mir darum gerne interessante Fundstücke aus dem Netz aus und lese sie auf dem Weg ins Büro in der S-Bahn, auf dem Klo oder ganz klassisch im Sessel, mit Stehlampe, Tee und Keksen nebendran. Das Ganze geht natürlich noch viel besser mit Zeitschriften, denn man kann viel besser blättern, hat keine losen Seiten, und sie sind auch noch aus einem Guss. Wenn sie gut sind.
Unter den Zeitschriften gibt es so manch unscheinbares Gewächs, das von vielen gelesen und geschätzt wird, aber nicht so richtig als beeindruckende Quelle à la “Hab ich im SP…GEL gelesen” zu taugen scheint, einfach weil es niemanden beeindruckt, bekennender Zeitschriften-Mauerblümchen-Leser zu sein. Eines dieser Zeitschriften-Mauerblümchen ist die “Chrismon”.
Chrismon: kurz vorgestellt
Die “Chrismon” erscheint in monatlichem Rhythmus als Beilage in der ZEIT, der Frankfurter Rundschau, der Sächsischen Zeitung, der Süddeutschen und im Tagesspiegel mit den Potsdamer Neuesten Nachrichten. Sie ist ein evangelisches Magazin und wird vom Landesbschiof Dr. Johannes Friedrich, dem MdB Hermann Gröhe, Bischof Prof. Dr. Wolfgang Huber und Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann herausgegeben. Du liebe Güte, ist man versucht zu sagen, und so eine Zeitschrift soll interessant oder gar spannend sein?
Themen: Aus dem Leben gegriffen
Genau das ist sie aber. In der Chrismon werden Themen verhandelt, die teils in engerem, oft aber in sehr weit gefasstem Sinn mit Religion zu tun haben. Oft genug geht es einfach um das Leben und die Menschen, um das Leben der Menschen. Themen, die nachdenklich machen, die man in anderen Medien nur sporadisch findet, die eher zur Aufmerksamkeit für sich selbst und andere “erziehen” als ausdrücklich zum Glauben.
Plädoyer für Kaffeepausen
Die aktuelle Ausgabe zum Beispiel titel mit dem Beitrag “Bin gleich zurück”. Teaser:
Sendepause. Sonntagsruhe. Siesta. Solche festen Auszeiten sterben langsam aus, denn wir sind immer online. Der moderne Mensch muss sie selber setzen: die Pause.
Der Artikel von Ursula Ott fällt nun nicht etwa mit der Tür des dritten Gebots ins Haus (”Du sollst den Feiertag heiligen”), sondern geht zunächst darauf ein, dass und warum die Finnen das deutsche Wort “Kaffeepause” in ihre Sprache übernommen haben. Das Wort sei ausgewandert, und mit dem Wort schleiche sich auch gleich “die ganze Pause davon”. Nach einer kurzweiligen Erörterung der Pausenkultur in Finnland geht es ganz handfest mit der Geschichte der Pause als gewerkschaftliche Errungenschaft weiter. Und die Folgen der beschönigend so genannten “Flexibilisierung” der Arbeitszeit für das moderne Leben werden erörtert. Am Schluss des Artikels steht das neue Wort für die “neue Freiheit”: die “Zeitsouveränität”. Und in klassischer Reportagetechnik schlägt die Autorin einen Bogen zum Anfang:
Hallo Finnland, nur mal vorsorglich: die “Zeitsouveränität”, die bleibt aber hier in Deutschland. Wir suchen nur noch ein schöneres Wort dafür.
Natürlich wird das Wertesystem der Autorin in diesem Artikel, werden die Werte der Zeitung in der Zeitschrift nicht unterschlagen. Aber der moralische Zeigefinger fehlt völlig. Am Ende des Pausen-Artikels findet sich ein lediglich Link zu der Aktion “7 Wochen ohne“, die jährlich wiederkehrende Fastenaktion der Evangelischen Kirche, die 2007 unter dem Motto “Atempause” steht. Dem Link kann die Leserin folgen oder auch nicht.
Nachdenkliches mit Tiefgang
Der Artikel ist nicht unbedingt eines der Glanzlichter im Chrismon, stellt innerhalb des hohen Niveaus der Zeitschrift guten Durchschnitt dar. Noch besser gefallen mir Geschichten von Menschen, die etwas Besonderes tun oder besondere Erfahrungen gemacht haben – Geschichten, die in “gewöhnlichen” Tages- oder Wochenzeitungen unter der Rubrik “Leben” oder “Modernes Leben” erscheinen würden. In der Chrismon haben solche Texte, wie mir scheint, noch ein kleines Quentchen mehr Tiefgang.
In der aktuellen Ausgabe ist dies die Reportage mit dem Titel “Tilmanns Welt” über einen Schulverweigerer, seine Eltern in einer vorpommerschen Landkommune, und über Tilmanns Werdegang nach seiner Entscheidung, nicht mehr zur Schule zu gehen, die er im Alter von neun Jahren traf.
Müdes Redaktionsblog
Neben den großen Artikeln gibt es in der Chrismon noch “beilagenübliche” Bestandteile wie Kommentare des Chefredakteurs, Umfragen, Interviews und Leserbriefe. Im Online-Auftritt der Zeitschrift kann man ausgewählte Artikel nachlesen, und es gibt sogar Blogs, die mich aber nicht so überzeugen. Hier könnte noch mehr getan werden. Die Leserschaft der Chrismon mag nicht gerade die internet-affinste sein. Aber um ein Blog zum Leben zu erwecken, muss man etwas mehr Aufwand treiben …
Prädikat: empfehlenswert
Fazit: Eine moderne Zeitschrift mit modernen Themen ohne moralischen Zeigefinger – hohes journalistisches Niveau. Hier werden keine Patentrezepte für Weltprobleme angeboten, sondern Fragen gestellt, die innehalten lassen. Prädikat: empfehlenswert!
19.
SEP
Was altert schöner: Bücher oder Fachwerk?
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Was Bücher und Fachwerk gemeinsam haben, lehrte uns am Wochenende der 19. Alt-Hohenecker Büchermarkt im Ludwigsburger Stadtteil Hoheneck. Das jährliche Ereignis ist ein Treffpunkt aller Buchliebhaber und Bücher-Loswerden-Woller, Sammler und Antiquare. Zwischen hübschen alten Häusern, um die Kirche herum und in den Gassen bieten zahlreiche Menschen ihre Bücher an, und noch mehr Menschen kommen, um zu stöbern.
Geistiges Zentrum ist offensichtlich Bernd Brauns “Antiquariat Alt-Hoheneck“, das aber jedem Buchsucher stets offen steht: Bücher bringen, Bücher holen und das Geld in die Sammelkiste einwerfen: das geht 24 Stunden am Tag. Fast wie im Internet.

Eine Unterhaltung mit dem rührigen Antiquar Holger Degutsch ergab allerdings reichlich pessimistische Perspektiven: Für die Antiquare lohnt sich die Anreise zu solchen Märkten kaum noch, das Hauptgeschäft laufe übers Internet. Schon die Fahrtkosten rauszubekommen, scheint ein Problem zu sein. Die Büchersammler bedienen sich über den ZVAB, wo heutzutage, wie mir ein büchersammelnder Kollege bedauernd versicherte, jede vermeintliche Rarität fünfzigfach angeboten werde:
Man braucht sich nur das Angebot heraussuchen, das einem preislich am meisten zusagt, und schon bekommt man es zugeschickt. Die Freude an der Jagd ist dahin. Da macht es keinen Spaß mehr.
Das ist schade. Trotzdem hat es uns Spaß gemacht, bei Privatleuten, Kindern und Profis nach neuen und alten Fundstücken zu stöbern. Das Tolle an solchen Märkten ist schließlich, dass man Bücher findet, von denen man nicht wusste, dass man sie sucht. Übers Internet kann man nur gezielt suchen, hier kann man ungezielt finden. Das macht schließlich am meisten Spaß, oder?

Finden kann man hier zum Beispiel wunderschöne ornithologische Tafeln aus dem Parey Verlag, vielleicht 1m mal 80 cm groß, wahlweise “Buchfink” (verschiedene, allerliebst gemalte Ansichten) oder “Bussard” (wozu dann auch der Rot- und Schwarzmilan gehören). Leider konnte ich mich nicht dazu durchringen, die 45 € auszugeben …
Außerdem gibt es ja immer auch die verschrobenen Sammler zu sehen … Wenn auch nicht mehr so viele kommen: einige sind noch übrig. Ineinander verwachsene Bücherwurmpaare, schütterhaarige, lesesesselbäuchige, sozialphobische Buchkistenumwälzer, ganz normale Menschen, die Pilzbestimmungsbücher suchen, und weitere Kuriositäten.
Und morgen verrate ich euch, welche Schätze ich erstanden habe ;-).
8.
SEP
Schein und Sein bei Gantenbein
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Die taz hat mal wieder Interessantes zu bieten. Der Schriftsteller Klaus Modick beklagt im Interview, dass “normale”, also für den Verlag schwarze Zahlen schreibende Autoren von den Verlagen nicht gepusht werden, wohl aber “Bücher und Autoren, bei denen man sich schon manchmal an den Kopf greift.” Damit meinte er zwar den Roman von Wolfgang Joop (”Im Wolfspelz”), aber tazler Frank Schäfer erwähnt in diesem Zusammenhang vermeintliche oder tatsächliche Fälschungsfälle bei Eichborn, wie etwa Asfa-Wossen Asserate mit seinem Manieren-Buch. Ich: “Wie? Asserate eine Erfindung? Sein Manierenbuch gefälscht? Donnerwetter! Das wurde doch jahrelang in den Feuilletons gefeiert, von der FAZ bis zur Brigitte! Und der Autor existiert wirklich!”
Nun, offenbar gab es Gerüchte, das Buch habe nicht der Prinz selbst verfasst, sondern entweder sein gewitzter Freund Martin Mosebach oder Hans-Magnus Enzensberger, in dessen Anderer Bibliothek das Buch zuerst erschienen ist. Diese Diskussion ist komplett an mir vorbeigegangen, wie ich zugeben muss. Macht auch nichts. Ich habe das Buch nicht gelesen, aber immer aufgehorcht, wenn daraus zitiert wurde, und die Zitate gefielen mir, auch wenn “Benimm” nicht gerade mein Spezialgebiet ist. Gern glaubte ich an den äthiopischen Prinzen, der den Deutschen charmant, galant und ganz ungenant Manieren beibringt. Sein Buch erschien mir wie eine konsequente Fortsetzung des Blicks der Kolonisierten auf die Kolonialisten obwohl Äthiopien nie deutsche Kolonie war, aber diese Feinheiten lassen wir mal beiseite, eine Sichtweise, die ja schon zuvor in dem einen oder anderen Film vorgekommen war. Nun soll Enzensberger oder Mosebach das Buch geschrieben haben? Vielleicht liegt den Gerüchten auch nur wieder das deutsche Überlegenheitsgefühl zugrunde, ein Afrikaner könne doch gar nicht so schön deutsch schreiben … Auf jeden Fall wäre die Fiktion futsch.
Gantenbein: “Ich stelle mir vor …”
Das ganze Spiel um Schein und Sein passt zu dem Buch, das mich gerade in der S-Bahn begleitet: “Mein Name sei Gantenbein” von Max Frisch. Darin spielt ein Erzähler, der von seiner Frau verlassen worden ist, verschiedene Geschichten durch, wie es dazu hat kommen können. Die Geschichten beginnen alle mit “Ich stelle mir vor: …”. Man versenkt sich hinein und fühlt sich wie in einem “ganz normalen” Roman, bis man jäh aus der Fiktion gerissen wird. Da heißt es zum Beispiel plötzlich über Enderlin, der im Begriff ist, in die USA zu fliegen:
“Noch hat er die Wahl.
Ich bin für Fliegen
[...]
Ich kann mir beides vorstellen:
Enderlin fliegt.
Enderlin bleibt.
Langsam habe ich es satt, dieses Spiel, das ich nun kenne: handeln oder unterlassen, und in jedem Fall, ich weiß, ist es nur ein Teil meines Lebens, und den andern Teil muß ich mir vorstellen; Handlung und Unterlassung sind vertauschbar.”
Das Buch, 1964 erschienen, verbindet eine äußerst moderne Konstruktionsweise mit einem – in all seinen Rollen – aus heutiger Sicht durchaus antiquiert wirkenden Erzähler (lesenwert übrigens diese Rezension von Dieter Wunderlich). Dem es trotzdem gelingt, den Leser mitzureißen in seine gefühlten Erlebnisse.
Wer ist hier der Blinde?
Für mich am prägnantesten: Gantenbein, der sich nach einem Unfall blind stellt und Gefallen daran findet. Wunderbar die Beschreibung der gesellschaftlichen Situationen, in denen es darum geht, wer was sieht und wer wofür und wem gegenüber blind ist. Hoch symbolisch und gleichzeitig höchst konkret. Und witzig. Bemerkenswert, wie wohltuend Gantenbein es findet, nicht zeigen zu müssen, dass er sieht, was andere vor ihm verbergen wollen und durch seine vermeintliche Blindheit umso besser verbergen können oder zu können meinen. Virtuos, wie Frisch, indem er das Verheimlichte beschreibt, die wohltuende Bedeutung des Scheins zelebriert, auf sanft ironische Weise, fast wie ein moderner Oscar Wilde. Und dabei schafft der Autor es noch, gesellschaftskritische Passagen einzuflechten, die ganz selbstverständlich daherkommen, etwa über die Rolle ehemaliger Nazis in der Bundesrepublik (bzw. der Schweiz). Frischs Beobachtungsgabe, der scharfe Blick des vermeintlich Blinden, seine geschmeidige Prosa sind wirklich ein Genuss.
Die Frau als blinder Fleck bei Frisch?
Was mir nicht gefällt, sind die Frauen im Roman. Das heißt, eigentlich gibt es nur eine, ob sie nun Lila heißt oder Camilla Huber oder “die Contessa”, im Grunde ist es ein und dieselbe Frau. (Wie natürlich auch Enderlin, Gantenbein, womöglich sogar Burri und Svoboda ein- und dieselbe Person sind. Das Changieren zwischen verschiedenen Personen gehört zum Konstruktionsprinzip des Romans.) Doch im Kern ist die Frau im Buch dermaßen irrational, dass sie nicht glaubwürdig wirken kann. Sie ist der pure Schein (insofern ebenfalls Programm), bei allen Versuchen des Erzählers, in seiner jeweiligen Rolle hinter ihr Geheimnis zu kommen, schiebt er sie doch nur weiter ins Reich des Sprunghaften, des Oberflächlichen, des Naiven oder des nicht Verstehbaren.
Als Beispiel sei die Passage genannt, wo Gantenbein das Problem löst, dass Lila kein schmutziges Geschirr erträgt, es jedoch weder selbst wegräumt, noch damit leben kann, wenn Gantenbein es tut:
Lila ist rührend. Sie kann es einfach nicht glauben, daß keine saubere Tasse mehr in der Welt ist, nicht eine einzige. Gehn wir aus! sagt sie, um den Heinzelmännchen eine Gelegenheit zu geben … Also geht man aus … Lila kann Schmutz nicht sehen, der Anblick von Schmutz vernichtet sie.
Lila wäscht dann mal einen einzelnen Löffel oder zwei Gläser und lässt den Rest stehen, während Gantenbein, “besserwisserisch wie die meisten Männer, findet, in der Serie gehe es flinker.” Lila wird aber traurig “wie über einen heimlichen Vorwurf”, wenn Gantenbein die ganze Küche putzt und hinterher alles blitzblank ist. Die Lösung:
Gantenbein wäscht jetzt keinen Teller und keinen Löffel mehr, wenn Lila zuhaus ist, sondern nur noch insgeheim, dann immer nur soviel, daß es nicht auffällt. Die Küche sieht aus, als kümmere sich niemand drum, und doch, siehe da, findet man stets noch ein paar Gläser, ein paar saubere Messer, immer gerade genug, und die Aschenbecher sind nie so blank, daß sie wie ein Vorwurf blitzen, nur die Asche wächst nicht zu Bergen an, die ekligen Dattelkerne darin sind verdunstet, ebenso die klebrigen Ringe von Weingläsern auf dem marmornen Tischlein; die Drucksachen, die Magazine von der letzten Woche sind verschwunden, als hätten sie ihre vergilbte Überholtheit endlich selber eingesehen – Gantenbein aber sitzt im Schaukelstuhl, eine Zigarre rauchend, wenn Lila nachhaus kommt, und Lila ist erleichtert, daß er sich nicht mehr glaubt um die Küche kümmern zu müssen.
“Siehst du”, sagt sie, “es geht auch so.”
Alltag ist nur durch Wunder erträglich.
Eine meisterhafte Schilderung, zweifelsohne, und doch bleibt darin Lila so blutleer, wirkt naiv (liebenswert naiv, aber das ändert nichts) und oberflächlich, da sie Gantenbeins Scharade nicht durchschaut, die nicht weniger Scharade ist dadurch, dass er sie als taktvoll darstellt. In Wirklichkeit ist auch Lila als Frau nur oberflächlich beschrieben. Man findet sie charmant von derselben erhöhten Warte aus, von der aus sie vom Autor geschildert wird. Oder Gantenbein bzw. sein Autor geben sich mit dem Anschein zufrieden. AUf diese Weise jedenfalls lässt er die Frauen nie näher als auf Armeslänge an sich heran, braucht sie nicht aus seiner Mystifizierung zu entlassen und kann es sich in seiner Blindheit bequem machen. Ist es also dem Autor vorzuwerfen, dass seine Erzählerrollen dem Schein huldigen, das doch Konstruktionsprinzip des Romans ist?
6.
SEP
Interna: Work in Progress
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Ich schreibe an einem Artikel über Frischs “Mein Name sei Gantenbein” und einiges, was mein Hirn daraus zurechtgesponnen hat. Der Text ist so umfangreich, dass er erst morgen fertig wird. Unglaublich, wie anregend eine Zeitung und wirklich gute Literatur sein können. Warum, das steht morgen an dieser Stelle :-). Der geplante Artikel über Ameisen wird dann wohl eher was für lange Winterabende …
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