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27.
APR

Die Auswirkungen von Podcasting auf das Medium Radio

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Der Schauplatz am Puls der Medien: Sehe gerade in meinem SWR2-Newsletter, dass es heute abend um 22.33 Uhr ein interessantes Feature zu hören gibt. Die Redaktion hat sicher nichts dagegen, wenn ich die gesamte Ankündigung hier reinstelle:

Hörspiel-Studio: RadioArt online
Radio-Wandel
Die Mobilisierung des Hörers

Feature von Sabine Breitsameter
Regie | Sabine Breitsameter
Produktion | SWR 2007
Erstsendung | 57 Minuten

Es war der MTV-Moderator Adam Curry, der vor wenigen Jahren das Podcasting »erfand«:
Audioproduktionen werden im Internet zur Verfügung gestellt, periodisch aktualisiert und können mit einem »Pod-Catcher« orts- und zeitunabhängig heruntergeladen werden. Und sie sind Kult, die iPods, mit denen die Podcasts aus dem Internet auf einen mobilen Audiodatenträger kopiert werden. Podcasting ist eine neuartige Form der Distribution, der Produktion und der Rezeption. Obwohl Podcasts mittlerweile auch von den »etablierten« Medien angeboten werden, sind die eigentlichen Pioniere und Protagonisten die Internet-User selbst. Durch das Podcasting wird das Radio und das Hören vollends mobil. Wie aber wird sich die Einbeziehung des Hörers in die Medienproduktion auf die »traditionellen« Medienstrukturen auswirken? Welche Perspektiven ergeben sich aus Medienformen, die den Nutzer weitaus mehr einbeziehen und diesen als Rezipienten in Bewegung setzen?

Mal schauen, was der SWR zum Phänomen Podcast et al. zu sagen hat. Das Deutschlandradio hat ja immerhin schon mit dem Blogspiel reagiert. Weiß jemand, wie innovativ der SWR in dieser Richtung ist? Ich hör ihn nämlich eher selten, obwohl ich im Einzugsgebiet wohne. Reine Gewohnheit, Deutschlandfunk und Deutschlandradio sind bei mir Kult.

16.
FEB

Die Bloggerpersönlichkeit: Voyeur, Autist oder Selbstdarsteller?

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“Und wen interessiert das?” ist die häufigste Frage von Freunden oder Bekannten, wenn ich ihnen von meinem Blog (neuerdings: Blogs) berichte. Wenn ich dann versuche, die Faszination und meinen Antrieb beim Bloggen zu beschreiben, komme ich ins Schwimmen. Ich weiß es selbst nicht so genau, oder besser: Es gibt mehrere Gründe, mal ist der eine wichtiger, mal der andere.

Diese Sinnfrage stellen viele Blogger sich selbst und zum Überfluss noch befreundeten Bloggern. Eine bekannte, formalisierte Form solcher Selbstvergewisserung sind die Stöckchen, die immer wieder geworfen und manchmal sogar zu ganzen Bäumen (Blog-Speak: “Stöckchentracker“) zusammengebastelt werden. Ein Stöckchen ist eine Art Kettenbrief für Blogger, der als Alibi für die unersättliche Neugier gilt, man (Blogschreiber wie -Leser) dem anderen entgegen bringt, der diesen oder jenen supertollen, aufgemotzten, genial geschriebenen oder lustigen Blog aufgebaut hat. Je persönlicher die Details, umso besser, scheint man (mit gewissen Grenzen) zu denken.

Manche machen sich auch in eigenen Beiträgen Gedanken darüber, warum sie online so viele Details von sich Preis geben, warum es sie interessiert, von anderen private Vorlieben und Gewohnheiten zu erfahren …

Ich hab dazu auch so meine Thesen. Sie wechseln je nach Stimmung:

  • Blogger sind Nerds, die nichts anderes machen, als vorm PC/Mac zu hocken, Pizza und Coke in sich reinzuschlingen und nach Nachrichten zu fahnden, die sie auf ihren Blogs recyceln können (Marke “schlecht kaschiertes News-Recycling”, Mehrwert < oder = Null).
  • Blogger sind Schreibende, die mich und die Welt mit ihren rhetorischen Perlen bereichern. Ohne Blogs wäre keiner nichts und jeder alles, äh: ohne Blogs geht es nicht.
  • Blogger sind Voyeure, die ihre Neigung in der Gesellschaft nicht unsanktioniert ausleben können und daher sogenannte “social software”, Web 2.0 und Ähnliches brauchen, um im Privatleben anderer herumschnüffeln zu können (frei nach BKA und Innenministerium, bloß ohne Strafandrohung) und sich selbst zugleich aufs bis aufs Hemd entblößen zu können. Motto: Besser notorisch als gar nicht berühmt.
  • Blogger sind Autisten (echte Autisten bitte nicht beleidigt sein ob dieser Beleidigung!), die dick und hässlich sind, keine Freunde haben und deshalb nach Freundschaften im Netz hungern, Aufmerksamkeit suchen und darum immer gegenseitig in ihren Blogs kommentieren, damit der andere es auch tut. Bevorzugt bloggen sie auf A-Blogger-Blogs, um dadurch mehr Traffic und damit potentielle Freunde auf das eigene Blog zu locken. Sie sind Lock-Blogger, um nicht zu sagen Block-Logger …
  • Blogger sind Technik-Freaks (eng verwandt mit Typ 1, dem Nerd), die alles Neue ausprobieren müssen und deshalb statt HTML, Flash, Java oder Ajax halt Wordpress, Movable Type oder Typo3 ausprobieren. Auf die Inhalte kommts nicht an, nur aufs Basteln.
  • Blogger sind Wortkünstler und Philosophen. Es merkt bloß keiner, dass ihr Geschreibsel Selbstzweck ist.
  • Blogger sind unausgefüllte Teenies, denen das Bloggen der Ersatz fürs Kreischen beim Beatles-Konzert ist. (Mit diesem Vorurteil haben wir wohl aufgeräumt, aber das soll’s ja immer noch geben …)
  • Blogger sind unverbesserliche Internet-Kapitalisten aus der Ära der Dotcom-Blase, die immer noch hoffen, rasch das schnelle Geld machen zu können.
  • Blogger sind ganz normale Fachleute, die ihr Spezial-Wissen geldlich oder unentgeltlich (warum eigentlich hie ein d, aber da ein t?) mit anderen teilen

Sonst noch was? Da ich gerade (nach langer Zeit mal wieder) Scheibenwischer gesehen und dazu Sekt getrunken habe, ist wohl ein wenig rheinischer Frohsinn in den Beitrag eingebrochen … (als Gast meine persönliche Neuentdeckung im Kabarett: Claus von Wagner mit einer überzeugenden Erklärung dafür, warum “die Jugend von heute” sich nicht zu Protesten aufraffen kann).

Trotzdem will ich noch der Pflicht genüge tun und den einen oder anderen zitieren, der sich zu diesem immer gleichen, immer wieder neuen Thema seine Gedanken macht:

  • Schwerin, Schwerin mit “Du bist Blog oder Lob der Leidenschaft
  • einige weitere Kategorien, eher Negativbeispiele, beschreibt Don Alphonoso unter dem Titel “Die 5 beliebten Methoden für Blog-Awareness“. Seine einfache These des wahren Bloggens: “Man schreibt, weil man es braucht und will.” Dem ist nichts hinzuzufügen.
  • Authentizität und Persönlichkeit kann man auch und sogar als wichtige Akquise-Faktoren bezeichnen
  • manch einer entwickelt, ausgehend von der Frage, ob sie zu lebenslänglichem Bloggen verurteilt sind, eine regelrechte Blog-Philosophie

Die Menschen, die mich immer wieder nach dem Sinn der Bloggerei befragen, macht dieser Beitrag bestimmt nicht klüger. Aber mich vielleicht ;-).

Nachtrag (21.2.07): Ach, ich vergaß, es ist ja seit einiger Zeit nicht mehr in, sich Blogger zu nennen oder gar darüber zu schreiben. Aber das ist ja auch nur wieder eine Regel, eine Sprachregel nämlich: man “schreibt ins Internet”. Ehrlich gesagt klingt mir das zu sehr nach “Was bin ich cool und den gewöhnlichen Bloggern überlegen”. Außerdem widerstrebt es meinem Sprachgefühl. Das Internet ist nun mal nichts, wo man reinschreiben kann. Viel zu abstrakt.

Ach, ist mir eigentlich egal. Zu Blog-Ablehnern oder Internet-fernen Menschen sage ich künftig einfach: “ich pflege meine Website” (klingt eher nach Haustier, und damit liege ich auch gar nicht so falsch, oder? Das Blog als Edel-Tamagochi).

11.
JAN

Radio + Internet + Podcast = Hörparadies

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Alle schreiben über das iPhone. Ich nicht!

Statt dessen möchte ich euch heute Podcasts oder einfach nur die nachzuhörenden Sendungen im Radio ans Herz legen. Als ich in Göttingen eine Zeitlang ab und zu mit dem Auto zur Arbeit fuhr, gab es auf dem Rückweg konnte ich dann immer so schön HR2 Der Tag hören: Jeden Abend ab 18.05 Uhr eine Stunde eines aktuellen Themas, nicht immer wirklich vom Tage, aber doch ziemlich aktuell, ganz in Ruhe in aller Breite und Tiefe betrachtet, bearbeitet, ersonnen von kompetenten Moderatoren, denen man gerne zuhört. Mir gefällt daran besonders, dass die Themen von allen Seiten beleuchtet werden, auch von hinten und von unten. Man hört eine Stunde lang zu und langweilt sich keine Minute. Die Sendung kommt ohne Gimmicks und technischen Schnickschnack aus, manche besonders gelungenen kann man schon als Feature bezeichnen.

Heute gibt es ja so viele Möglichkeiten, Radio zu hören, und so auch “den Tag”: ganz normal übers Radio, übers Internet (geht gut mit der kostenlosen Software Phonostar), oder als Podcast, das wiederum als Einzeldownload oder als Feed. Radiowelt und Cyberspace gemeinsam bieten fast unbegrenzte Möglichkeiten (die entsprechenden Geräte und Internet-Bandbreite vorausgesetzt).

Viele Sender tun es mittlerweile: Deutschlandfunk und Deutschlandradio, Radio Bremen, oder vielleicht mal Englisch Hörverständnis üben mit der BBC, oder gar Spanisch lernen? Dann gibt es noch – besonders spannend – Zwitterformen wie das Blogspiel (wie von mir bereits mehrfach gebloggt) vom Deutschlandradio oder die Sendung Trackback, eine Kooperation vom RBB und Spreeblick.

Hier im Süden kann ich den Hessischen Rundfunk übers normale Radio nur schlecht empfangen, und so hab ich mir den “Tag” in iTunes abonniert und lade ab und zu die neuen Beiträge, die mich interessieren, für meinen MP3-Player herunter. Wenn ich morgens in der S-Bahn aufnahmefähig bin (geistig, nicht technisch), höre ich mir eine Sendung an, Nachmittags zur Entspannung dann vielleicht Musik. Und manchmal gar nichts. Oder ich lese. Oder schaue aus dem Fenster. Am besten: Zuhören und aus dem Fenster schauen.

Aber ich schweife ab … Internet und Radio kombiniert geben mir das Beste beider Welten. Deutschlandradio in der Badewanne, HR2 Der Tag in der S-Bahn, Hörspiele über den Hifi-Receiver oder über Internetradio, BBC über Internet oder ganz altmodisch über Mittelwelle, und dann gibt es ja noch das Digitalradio, aber das ist eher ein trauriges Kapitel … wie es endet, oder besser ob es jemals richtig losgeht, weiß man noch nicht.

Kennt noch jemand gute Podcast-Programme von Radiosendern? Sicher gibt es diverse Übersichten, aber ich bin jetzt zu faul zum suchen. Hat jemand Tipps?

28.
MRZ

Stirbt die Handschrift aus?

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Jetzt muss ich mich doch einmal einmischen in die unzähligen Webdiskussionen: Ich lese heute in der Telepolis die Nachricht von einer britischen Studie, nach der nur noch 13 % der schriftlichen Kommunikation handschriftlich erfolge und die Briefkultur “tatsächlich bereits weitgehend untergegangen” sei. Unter anderem heißt es dort auch:

Die [extern] Studie macht noch einmal bewusst, dass die Mediennutzung eine Generationenfrage ist. So schreiben noch 39% der über 65-Jährigen auf Papier, bei den 15-24-Jährigen sind es gerade noch 5%. Handschriftliche Papierkommunikation ist nicht nur langsam und umständlich, vermutlich geht auch die sensomotorische Fertigkeit des Schreibens und Entzifferns verloren. Zumal wenn man seine eigene Handschrift nicht mehr lesen kann, wird man möglichst auch andere Menschen nicht mehr damit belästigen wollen. Aber auch innerhalb der schriftlichen Kommunikation mit elektronischen Medien gibt es große Unterschiede. So hat Email allgemein einen Anteil von 49%, bei den Jüngeren aber nur noch einen von 28%. Dafür benutzen diese sehr viel stärker SMS oder Instant Messaging, was die schriftliche Kommunikation weiter verdichtet und verknappt, aber auch auf die Erwartung hindeutet, schneller eine Antwort zu erhalten oder eben die Schrift dem Gespräch anzunähern.

Interessant sind nun weniger die Ergebnisse dieser Studie als das, was die Telepolis-Leser dazu sagen. Einer schreibt zum Beispiel:

Gut zu wissen, dass ich nicht in dieses Schema passe. :-)
Handy - nope. TV - nope. Instant Messaging - nope. Radio - vielleicht ne halbe Stunde in der Woche. Telefon ca. 3€ im Monat (hauptsächlich Kontakt zu Eltern und Oma, und Behördenscheiß). Der Hauptteil meiner Kommunikation läuft direkt, von Mensch zu Mensch, hier im Forum oder per Email.

Dass dieser fleißige Kommentator sich etwas darauf zugute hält, nicht in ein “Schema” zu passen, ist verständlich. Interessanter, wenn nicht geradezu erschütternd ist, dass er E-Mail- und Foren-Kommunikation als “direkte” Kommunikation “von Mensch zu Mensch” auffasst. Dass zwischen den kommunizierenden Menschen Tastatur, Rechner, Datenübertragung, Rechner, Bildschirm stehen, von geographischer Entfernung ganz zu schweigen, ist ihm offenbar nicht bewusst.

Dies drückt wohl zweierlei aus:

  • für die Medien konsumierenden Menschen (immerhin hat der Autor des Forenbeitrags bei Telepolis innerhalb von zwei Jahren mehr als tausend Beiträge verfasst) sind direkte menschliche Kontakte und Kontakte per E-Mail oder Internet-Forum kaum noch unterscheidbar, und
  • die Frage nach dem handschriftlichen Schreiben und ihren Auswirkungen auf die menschlichen Beziehungen wird ausgeklammert. Hier wird es allerdings erst richtig interessant …

Handschriftliche Mitteilungen als Beweis von Zuwendung

Wie es ist, eine Serien-E-Mail oder SMS als Geburtstagseinladung zu erhalten, weiß wohl jeder. Wie fühlt es sich an, nur einer von vielen Menschen zu sein, der diese Seriennachricht bekommt? Früher gab es einen handschriftlichen Brief, zwar manchmal mehrfach kopiert, aber doch nie ohne ein paar persönliche Zeilen am Ende, die deutlich machten, dass sich der oder die Einladende auf mich, und gerade auf mich, besonders freut!

Das alles ist nicht wirklich neu, aber mich fasziniert immer wieder, wie widersprüchlich die viel beschworenen Auswirkungen der “schnellen Medien” sind. Auch ich empfinde nämlich E-Mail oder Forenbeiträge, oder Blog-Kommentare (;-), als “direkte Kommunikation”. Direkt wohl deshalb, weil die Entfernung keine Rolle mehr spielt. Weil die Zeit, die sonst zwischen Schreiben eines Briefs und Empfangen der Antwort verging, durch das Internet so zusammengeschnurrt ist. Indirekt ist sie, was die emotionale Seite angeht. Die Auseinandersetzung mit meinem Gegenüber kann ich, wenn ich will, völlig ausklammern. Wenn ich sie suche, geht sie oft schief. Nicht umsonst eskalieren so viele Internet-Diskussionen innerhalb kürzester Zeit, und es kommt zu Machtkämpfen und wahren Meinungsschlachten, die kaum noch etwas mit der Sache zu tun haben.

Übrigens ist gerade das Tempo, mit dem ich einen Forenbeitrag tippe, oft der Grund für spätere Missverständnisse: Sitze ich mit einem Briefbogen im Café und schreibe einen handschriftlichen Brief, lasse ich mir jeden Satz und so manche Formulierung mehrfach durch den Kopf gehen. Bei Internet-Meinungsäußerungen könnte ich das zwar auch tun, aber die Versuchung ist eben größer, es nicht zu tun. Auf “Absenden” klicken, ist eben so viel leichter, als den Brief einzutüten, zu adressieren, eine Briefmarke aufzutreiben und dann noch daran zu denken, ihn einzuwerfen …