Sie interessieren sich für Fotografie und die Kunst des Sehens? Dann sind Sie hier richtig.
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11.
DEZ

Schule des Sehens II: Glyptothek

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Der Besuch in der Glyptothek in München war ergiebig: Staunend verwandelte diffuses Novemberlicht antike griechische Skulpturen vor sandfarbenen Backsteinwänden in lebendige Kunst. Formen voller Harmonie, abgeschlagene Nasen, Lücken in Armen und Lichtblitze auf Marmorkristallen. Erhabene, teils verstörende, teils hässliche, teils betörend schöne Kunst.

Lückenhafter Akt

Alle Glyptothek-Fotos gibts hier.

Wie das alles fotografieren? Ich brauchte eine Stunde, um überhaupt eine Ahnung davon zu bekommen, wie all dies, nein nur weniges davon, fotografisch zu bewältigen sei. Weitere Stunden des Probierens und Fotografierens schlossen sich an. Was dabei rausgekommen ist, sieht man auf meinem Foto-Schauplatz.

Beim letzten Bild war es, dass mein Objektiv sich in der Jackentasche langweilte und mit dem Marmorfußboden des Museums anbändeln wollte. Es näherte sich ihm etwas überstürzt, die beiden stießen zusammen, es schepperte und klirrte fatal. Verzweifelt und geschockt steckte ich das gedeckelte, klirrende Objektiv ein und überlegte, wie ich mir jemals einen Ersatz würde leisten können. Erst am nächsten Tag wagte ich, den Deckel vom Objektiv zu prokeln und mir den Schaden zu besehen. Siehe da: Nur der UV-Filter war in tausend Stücke zersprungen, das Objektiv war noch ganz. Eine Lehre wirds mir sein: Nie mehr Objektive in offenen Jackentaschen zwischenlagern. Nie mehr Objektive ohne UV-Filter durch die Gegend tragen.

24.
NOV

Schule des Sehens I

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In den kommenden Wochen werde ich hier in loser Folge einige Erkenntnisse aus meinem Fotografie-Kurs “Schule des Sehens” diskutieren. Thema dieses Semesters ist “Belebtes und Unbelebtes”, darunter auch “Porträt”.
Unser Kursleiter gestern: “Am besten finde ich es, wenn ein Foto etwas vollkommen Neues zeigt, etwas was es vorher noch nicht gab.” Ein Satz, den ich ohne Zögern unterschreiben könnte. Als Beispiel mag hier ein älteres Foto von mir gelten, das ich eines Sonntag morgens im Schlafzimmer gemacht habe: völlig fasziniert von dem Lichtzauber in den Vorhängen:

Rippen

Diese Überzeugung kann aber auch dazu führen, Fotos wie das Folgende abzulehnen …

Hemdsärmlig

… mit dem Argument: “Das war halt unser Foto-Hintergrund, der sah eben so aus, du hast ja nichts gemacht.” Im ersten Moment wurmte mich diese Aussage geradezu, hat doch dieser bemalte Hemdsärmel für mich eine eigene Poesie. Und doch ist der Einwand berechtigt: Die “Kunst” bestand nur darin, einen guten Ausschnitt zu suchen und eine saubere Aufnahme hinzubekommen. “Das sind Bilder, die man mal so nebenbei macht”, so mein Kursleiter. Stimmt, aber ein winziger nagender Zweifel bleibt.

Eine gute Lehre zog ich hingegen aus dem folgenden Bild, das im Rahmen eines Porträt-Shootings mit Saxofon entstanden ist:

Kugeln und Stangen

Hier kam es mir auf Gold und Geometrie der parallelen Stangen des Instruments an und auf die damit kontrastierenden Rottöne des Hintergrunds. Die Querstreben zwischen den senkrechten Linien, die im Unscharfen verschwimmen, hatte ich bemerkt, aber erst durch das Gespräch mit dem Kursleiter über das Foto wurde mir klar, dass sie den eigentlichen Reiz ausmachen.

Ausgiebige Diskussionen über eigene und fremde Fotos, jenseits von Technik und vordergründigen “Bewertungen”, das ist genau das, was ich brauche und was mir noch kein Fotoclub geben konnte. Womit man immer rechnen muss, ist das Ego des einen oder anderen, und manchmal auch das eigene … Aber bei der Kritik kein Blatt vor den Mund nehmen ist wichtig, denn nur so kann sich der andere verbessern – oder eben widersprechen: Denn genauso wichtig ist es, die eigenen Fotos zu verteidigen. Oftmals wird mal dem Kritiker, mal dem Kritisierten erst im Laufe der Diskussion klar, worin die Vorzüge oder Fehler eines Fotos bestehen.

Spannend wird es morgen: Eine Exkursion in die Münchner Glyptothek steht an, wo es um das Fotografieren von Skulpturen geht: ohne Blitz, nur mit dem vorhandenen Licht und Stativ.