Fotografische Weiterbildung mit Foto-TV

Aug 01

Kürzlich hatte ich auf die eingeschränken Internet-Angebote zum Thema Lightroom auf Deutsch hingewiesen. Video-Tutorials zum Thema Fotografie, die man im anglo-amerikanischen Raum zuhauf findet, sind bei uns noch Mangelware. Filme von YouTube oder Sevenload flimmern auf allen Bildschirmen, aber sicher nicht mit dem Ziel, uns Interviews mit Fotografen oder spezielle Tricks in der Porträtfotografie nahezubringen.

Endlich deutschsprachige Workshops und Fotografen-Interviews

In diese Lücke stößt das Internetportal FotoTV: Es bietet eine ganze Bibliothek von Filmen, Workshops und Interviews, die man teilweise kostenlos, überwiegend aber im Abo anschauen kann. Eine gute Idee des Gründers Marc Ludwig, dem Mangel an guten deutschsprachigen Tutorials und Video-Dokumentationen im Bereich Fotografie abzuhelfen und damit auch noch Geld zu verdienen:

FotoTV Startseite

Die Videos werden entweder von den FotoTV-Machern oder von qualifizierten Einsendern in folgenden Kategorien produziert:

  • Grundlagen und Geschichte
  • Aufnahmetechnik und Präsentation
  • Digitale Bildbearbeitung
  • Dunkelkammer
  • Fotomotive
  • Fotokunst
  • Infos, Aktuelles, Events

Breites Themenspektrum auch für nicht zahlende Besucher

Fünf Videos können ohne Anmeldung angeschaut werden, wer Name und E-Mail preisgibt, kann auf eine Liste von zur Zeit 24 freien Beiträgen zugreifen. Das Spektrum der Themen reicht von Tipps zum selektiven Entfärben in Photoshop oder zum Erzielen des „Katzenaugeneffekts“ in der Porträtfotografie über ein Interview mit dem kürzlich verstorbenen Naturfotografen Fritz Pölking bis hin zu einem Beitrag über die Erzielung eines hochwertigen Prints in der Dunkelkammer vom Experten Ralph Lambrecht.

Andreas Weidner über die Schulter schauen: Motivfindung in der Bretagne

Andreas Weidners Bericht über seine Motivfindung an der Côte du Granite Rose in der Bretagne ist ein gutes Beispiel dafür, welchen Gewinn FotoTV bringen kann. Neben praktischen Anleitungen zur Bildgestaltung und Belichtungsmessung plädiert er darin auch für eine ruhige, kontemplative Annäherung an eine Landschaft oder ein Sujet, das man fotografieren will:

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(präsentiert mit freundlicher Erlaubnis von Andreas Weidner
und ebensolcher Unterstützung von FotoTV-Mitarbeiter Florian Engel)

Das Bezahlmodell von FotoTV sieht folgendermaßen aus: Abos von 3, 6 oder 12 Monaten kosten knapp 12, knapp 9 bzw. knapp 6 Euro pro Monat. Je länger also die Laufzeit, umso günstiger wird das Abo. Die Bibliothek umfasst zur Zeit über 90 Filme. Wie Tim von dokufoto.de halte ich diese Hürde für ziemlich hoch. Zu hoch? Ich zahle gern für gute Qualität, aber vielleicht sollte man bei FotoTV darüber nachdenken, auch ein kürzeres Abo für einen geringeren Betrag anzubieten. Da man die Beiträge in keinem Fall downloaden kann, möchte man etwas länger darauf zugreifen können, dafür aber nicht gleich 36 Euro bezahlen müssen. Und von den Tipps und Workshops zu profitieren, sie selbst auszuprobieren dauert schließlich einige Zeit.

Sind Fotografen gute Videofilmer?

Die Auswahl der Themen und Autoren ist schon jetzt reizvoll. Nachbessern könnte man noch an einigen Stellen: manchmal hapert es an der Klangqualität, manchmal ziehen sich die Beiträge etwas in die Länge, weil der Autor zum Schwafeln neigt. Es mag Fingerspitzengefühl erfordern, bekannte Fotografen bei der Erstellung eines Beitrags so zu beraten, dass man beim Anschauen nicht nach einer Minute einschläft. Manchem würde das aber gut tun. Schließlich ist nicht jeder gute Fotograf automatisch ein guter Sprecher oder gar Video-Produzent.

Andererseits: wann hat man sonst schon mal Gelegenheit, seinen großen Fotografen-Vorbildern beim Fokussieren über die Schulter zu schauen? Vielleicht reizt es euch auch, mal selbst eine Kamera in die Hand zu nehmen und über euer fotografisches Spezialgebiet einen Film zu drehen. FotoTV ist immer auf der Suche nach guten Autoren.

Schauplatz-Bewertung für FotoTV:

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