Fotografen vorgestellt: Irene Müller

Apr 05

Mehr als „Milk meets Coffee“

Ihre Fotos machen zur Zeit die Runde in der deutschen Blogosphäre : Phantastische Bilder von einem Milchtropfen, der in eine Kaffeetasse fällt. Wunderschöne Gebilde, perlengesäumte Milchkuppel über braun glänzender Flüssigkeit … ein profaner, alltäglicher Vorgang, von der Fotografin in ein visuelles Wunder verwandelt. Auf dpreview.com beschrieb Irene Müller bereits im Januar, wie die Bilder entstanden sind, und ein Bild ihres „Versuchsaufbaus“ ist zu sehen.

Sicher hat diese Bilder mittlerweile fast jeder gesehen, da man sich im Internet ja nur allzu gern mit den Fotos anderer Leute schmückt und damit auch mit den Früchten ihrer jahrelangen Ausbildung und harten Arbeit. Natürlich ohne Urheberangabe oder gar einen Link zur Fotografin.

Bilderschau statt Bilderklau

Ich bin neugierig geworden und habe mir das Portfolio von Irene Müller, einer in Deutschland lebenden Schottin, im Original angesehen. Hier zeigt sich, was diese Fotografin drauf hat. Was sie zu einer ihrer Galerien erläutert hat, kann wohl als Motto über ihrer gesamten Arbeit stehen:

This started out as an experiment and ended as a passion.

Mit ihrer freundlichen Erlaubnis stelle ich hier einige Bilder vor und appelliere an alle, sie nicht zu stehlen, sondern sie hier oder noch besser auf ihrer Website anzuschauen und zu genießen.

Queen of Liquids

Am stärksten sind ihre Bilder von Flüssigkeiten, Tropfen, Rauch oder durchbrennenden Glühbirnen. Bei vielen Bildern sitzt man staunend davor und fragt sich, wie um alles in der Welt sie das hinbekommen hat. Zugleich fasziniert ihre Ästhetik der runden, weichen Formen, die Eleganz ihrer teilweise abstrakt anmutenden Kompositionen (mit der Maus übers Bild fahren, um die Titel zu sehen):

Diagreenal
Escaping ... (Challenge. Free study)

aus Smoke

Farben, Phantasie und Freude an der Form

Dabei reichen ihre Fotos über Effekthascherei und das rein Spektakuläre hinaus. Sie arbeitet mit einfachen Mitteln, sicherer Hand und „patience, patience, patience“, wie sie selbst sagt, an ihrer Bildaussage. Ihre Einstellungen und Kompositionen verraten viel Fantasie und ein sicheres Gespür für Farben:

aus Recent Outtakes en Bloc: The Feather 5

aus Water: Water_a

Foto, Gemälde oder Skulptur?

Dieses letzte Bild erinnert mich an die Formen der Skulpturen Camille Claudels, etwa im unteren Teil des 1892 entstandenen „La Valse“:

Camille Claudel: La Valse (Quelle: www.rodin-web.org)

Viele ihrer Bilder gefallen mir eben aus diesem Grund: Sie bleiben nicht bei der reinen Ästhetik stehen, sondern regen die Phantasie an, holen aus gewöhnlichen Gegenständen und Vorgängen ganz neue Formen und Farben heraus und verweisen auf andere Kunstformen als die Fotografie.

Danke, Irene Müller, für diese Fotokunst!